«Ich konnte fast nicht hinschauen»

Seit 70 Jahren verkaufen Schulkinder Abzeichen zugunsten der Ärmsten dieser Erde. Dabei hat sich das Abzeichen gewandelt. Geblieben ist die Hilfsbereitschaft der Kinder, sich für jene einzusetzen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Zu Besuch bei einer Zürcher Klasse.

«Die Familie tat mir so leid, mit den kleinen Kindern auf der dreckigen Matratze, in völlig zerlumpten Kleidern», erinnert sich Camillo, 12. Er ist einer der Sechstklässler, die im warmen Schulzimmer im Zürcher Kreis drei sitzen und erzählen, was für sie Armut bedeutet. Die Eindrücke von den Ferien in Südostasien beschäftigen ihn. «Ich konnte fast nicht hinschauen.»

Er wird in den kommenden Wochen zusammen mit seinen «Schulgspänli» in der Nachbarschaft die Abzeichen verkaufen und den Erlös SWISSAID spenden. So kann er direkt helfen, das Elend aus der Welt zu schaffen. Mit den unterstützten Projekten sorgt er dafür, dass solch entsetzliche Situationen gar nicht entstehen. Wenn Kinder zur Schule gehen und Eltern dank den Selbsthilfeprojekten auf dem Land ein Auskommen finden, stehen ihre Chancen auf eine lebenswerte Zukunft viel besser.

Zum Jubiläum eine Super-Box

In den 70 Jahren, in denen Schulkinder die Abzeichen verkaufen, hat sich das «Dings» gewandelt – von einer Anstecknadel mit dem Logo des Hilfswerks hin zu alltagstauglichen Dekogegenständen, etwa Kugelschreiber mit Tiermotiven oder Wackeltierchen. Die Herstellung in Indien und Mexiko gibt Hunderten Handwerkerinnen und Handwerkern eine Arbeit zu sozial verträglichen Bedingungen. Die schönsten Abzeichen der letzten Jahre hat SWISSAID nun in einer «Super-Box» zusammengestellt, die die Kinder diesen Winter feilbieten.

Zustupf für die Klassenkasse

«Äxgüsi, möchten Sie auch ein Abzeichen kaufen?» Einige winken ab, machen einen Bogen. Andere kommen neugierig näher. «Immer höflich bleiben», weiss Ilja, 11. Das zahlt sich aus. Trotz des schlechten Wetters verkaufen die Kinder etliche Kugelschreiber und lackierte Schächtelchen.

Zehn Prozent des Erlöses dürfen sie für die Klassenkasse zurückbehalten. «Damit gehen wir ins Alpamare», hoffen die Jungs. Die Mädchen hingegen wollen das Schullager verlängern – die Diskussionen werden sich noch hinziehen. Für Manuel steht jedoch jetzt schon fest: «Das Beste ist doch, dass wir helfen können. Meiner Meinung nach könnten wir auch alles Geld spenden.»