Transparenz wird Pflicht für „gut geführte“ Unternehmen

Transparenz wird Pflicht für „gut geführte“ Unternehmen

Die Zeiten der Geheimniskrämerei  sind vorbei.  Für verantwortungsvoll geführte multinationale Unternehmen wird  es bald unumgänglich sein, über ihre Geschäfte nicht mehr als Konzern, sondern Land für Land transparent Rechenschaft abzulegen.  So lautet das Fazit einer Tagung in London (mehr).

Rio Tinto hat kürzlich gezeigt, wie es geht.  So legte der britisch-australische Bergbaukonzern einen Bericht vor, der über die Steuerzahlungen der Gruppe und aller Tochtergesellschaften Land für Land Auskunft gibt. „Wir haben nichts zu verbergen, weshalb sollten wir also nicht transparent Auskunft geben“, begründete Chris Lenon, Berater für Steuerpolitik des Konzerns, den Entscheid von Rio Tinto an einer Tagung in London.

Das sehen indessen nicht alle multinationalen Unternehmen gleich. So laufen derzeit die Öl- und Bergbaukonzerne Sturm gegen gesetzliche Transparenzregeln für den Rohstoffsektor in den USA und der EU. Wie griffig (oder verwässert) diese ausfallen, ist derzeit noch offen.  Auch die Vertreter der Industrie waren sich indessen in London einig, dass die Zeiten der Geheimniskrämerei endgültig vorbei sind und Transparenz immer mehr zur Pflicht für verantwortungsvoll geführte Unternehmen werden wird – ob auf freiwilliger Basis oder gesetzlich vorgeschrieben.

Richard Murphy, Direktor der NGO „Tax Research“, plädierte dafür, die volle länderweise Rechnungslegung für alle multinationalen Konzerne zum globalen Standard zu machen. Dies sei das beste Mittel zur Bekämpfung der Korruption und ein wichtiges Element bei der Aufdeckung von Tricks zur Steuervermeidung, welche die Entwicklungsländer jährlich mehr Geld kosteten als sie Entwicklungshilfe erhielten. Auch Pascal St. Amans, der neue Chef der OECD-Steuerabteilung, räumte ein, die entsprechenden Regeln seiner Organisation müssten dringend angepasst werden.

Das so genannte „Country-by-Country-Reporting“  ist derzeit nur für den Rohstoff-Sektor konkret ein Thema – und auch dort nur für Zahlungen an Regierungen. Mehr Transparenz könnte es bald auch beim  Handel mit Rohstoffen  geben. Clare Short, die Chefin der globalen Transparenz-Initiative EITI zeigte sich in London offen für Vorschläge, den Ölhandel ins EITI-Konzept aufzunehmen. Dies hätte grosse Auswirkungen auf die Schweiz, die sich in den letzten  Jahren zum globalen Zentrum des Rohstoffhandels entwickelt hat.

 

Das Bild ist das Cover der Publikation "Lost Billions. Transfer Pricing in the Extractive Industries" von Publish What You Pay Norway.