Nnimmo Bassey über Landgrabbing

Nnimmo Bassey über Landgrabbing

Zum siebten Mal fand am 13. April 2012 in Basel der NATUR-Kongress statt. Landschaft im Spannungsfeld von Schutz und Nutzung was das Thema des Tages, an dem auch Bundesrätin Doris Leuthard mit einem Beitrag zur Schweizer Raumplanung teilnahm. Gemeinsam mit Pro Natura lud SWISSAID zu einem Workshop, um den Blick über den Schweizer Tellerrand hinaus zu werfen. Unter dem Titel „Wachsende Ansprüche auf fruchtbare Böden" beleuchteten wir den globalen Wettlauf um Ackerland, insbesondere in den Ländern Afrikas.

Nnimmo Bassey aus Nigeria, Präsident von Friends of the Earth International und Träger des Alternativen Nobelpreises, berichtete eindrücklich über die Situation in Nigeria. Dort trägt vor allem die Erdölförderung dazu bei, dass Bauerngemeinschaften ihr Land verlieren. Alexandre Ghelew von der Deza gab einen Überblick darüber, welche Ausmasse das Landgrabbing mittlerweile angenommen hat. Eine neue Studie der International Land Coalition geht von über 200 Millionen Hektaren Agrarland aus. Gut 60 Prozent davon gehen auf das Konto der Agrotreibstoffe. Die Deza engagiert sich auf internationaler Ebene für einen verantwortlichen Umgang mit Landnutzungsrechten und will auch die Unternehmen und Investoren in die Diskussion einbeziehen.

Tina Goethe von SWISSAID zeigte auf, dass es vor allem die internationalen Firmen und Investitionsfonds sind, die Ackerland mittlerweile als profitables Anlagefeld entdeckt haben. Produziert werden Agrarrohstoffe für den Export. Die Auswirkungen für die lokale Bevölkerung sind gravierend. Sie verlieren nicht nur ihre Felder. Auch das Wasser wird für die Exportproduktion umgeleitet. Das geht auf Kosten der Wasserversorgung in den Dörfern sowie der Bewässerung der eigenen Felder.

Ist Afrika über- oder unterbevölkert?

Nnimmo Bassey setzt wenig Hoffnung auf Lösungen seitens der internationalen Staatengemeinschaft. Zu stark würden die wirtschaftlichen Interessen im Vordergrund stehen. Sie bestimmen, wie die Realität jeweils interpretiert wird: Lange Zeit galt Afrika als überbevölkert. Nun hat sich die Perspektive geändert und Afrika gilt als unterbevölkert. Es gäbe noch so viel ungenutztes Land, das mit der Produktion von Agrargütern in Wert gesetzt werden sollte. Dabei geht vergessen, wer schlussendlich den wirtschaftlichen Nutzen aus dem Land beziehungsweise den natürlichen Ressourcen zieht. Einmal mehr gehen diese Werte in die reichen Länder und die lokale Bevölkerung geht leer aus. Um dieser Landnahme Einhalt gebieten zu können, muss vor allem auch vor Ort informiert werden.

Die SWISSAID-Partnerorganisationen GRAIN setzt sich seit mehreren Jahren erfolgreich dafür ein, die grossflächigen Landdeals an die Öffentlichkeit zu bringen. Für SWISSAID ist es wichtig, Bauernorganisationen vor Ort zu stärken, sich für ihre Rechte einzusetzen. Doch auch die internationalen Vereinbarungen, wie die FAO-Richtlinien zu Landnutzungsrechten, sind ein wichtiges Instrument, das es zu nutzen gilt.

Auch Bundesrätin Leuthard informiert

Während der Workshop Gelegenheit bot, das Thema im kleinen Kreis zu diskutieren, nutzte Nnimmo Bassey seinen Auftritt auch vor den gut 600 Zuhörern, darunter Bundesrätin Doris Leuthard, um breit für das Thema zu sensibilisieren. Es bleibt zu hoffen, dass Doris Leuthard gut zugehört hat und sich an der Rio+20-Konferenz zu nachhaltiger Entwicklung im Juni engagiert, dem Landgrabbing ein Ende zu setzen.