SWISSAID aktualisiert die eigene Gleichstellungspolitik

SWISSAID aktualisiert die eigene Gleichstellungspolitik

Die Diskriminierung von Frauen ist eine der wichtigsten Ursachen für Unterentwicklung und Armut. Weltweit sind es mehrheitlich Frauen und Mädchen, die unter Hunger leiden, medizinisch mangelhaft versorgt sind und weder lesen noch schreiben lernen dürfen.

Frauen sind aber auch das Rückgrat der ländlichen Wirtschaft. In manchen Entwicklungsländern stellen sie bis zu 70 Prozent der Arbeitskräfte auf Feld und Hof. Die Förderung von Bäuerinnen wirkt sich daher unmittelbar positiv auf Ernährung, Einkommen und Lebensqualität der Familien aus.

Gleichstellung ist Teil aller SWISSAID-Projekte

In den Entwicklungsprojekten setzt sich SWISSAID für die Gleichstellung und die Befähigung von Frauen ein. Wir achten darauf, dass sich Männer und Frauen gleichberechtigt an den Projekten beteiligen. Um die Ungleichheiten aufzubrechen, bauen wir spezielle, auf die Bedürfnisse von Frauen zugeschnittene Förderprogramme auf.

Trotz Förderung benachteiligt – warum eigentlich?

Dennoch: Trotz langjähriger intensiver Förderung arbeiten Frauen in der Mehrheit weiterhin in prekären, schlecht bezahlten Jobs, oft gar unter gesundheitsschädigenden Bedingungen. Als Bäuerinnen oder Tagelöhnerinnen haben sie ausserdem kaum Zugang zu lebenswichtigen Ressourcen wie Land, Kredite, Bildung oder politischer Macht.

Warum? Ein wichtiger Grund liegt in der so genannten „care work“: Es sind vor allem die Frauen, die die Verantwortung für die Ernährung und die Pflege der Familienangehörigen, für die Erziehung der Kinder und die Führung des Haushaltes tragen. Hinzu kommt: Diese sogenannte Versorgungs- und Fürsorgearbeit ist unbezahlt. Diese Umstände führen dazu, dass Frauen vorhandene Chancen, etwa den Besuch eines Weiterbildungskurses oder die Aufnahme einer bezahlten Tätigkeit, oft nicht nutzen, weil sie an „innerhäusliche“ Pflichten gebunden sind.

Warum Frauen weniger schlafen

Männer hingegen – das belegen internationale Untersuchungen, die auch Entwicklungsländer mit einbeziehen – können mehr Zeit aufwenden für Weiterbildung, persönliche Interessen, bezahlte Arbeit oder schlicht und einfach ausreichend Schlaf.

Wie SWISSAID die eigene Gleichstellungspolitik erneuert

Die diesen Frühling aktualisierte Gleichstellungspolitik von SWISSAID trägt diesen Erkenntnissen Rechnung. Wir legen darum als weiteres Ziel die Anerkennung der wirtschaftlichen und sozialen Bedeutung der Arbeit von Frauen fest. Männer sollen sensibilisiert, von verkrusteten Rollenbildern befreit und zu mehr Mitverantwortung für die Gleichstellung der Geschlechter, aber auch für die unbezahlte Versorgungs- und Fürsorgearbeit motiviert werden.

Männer packen im Haushalt an

In SWISSAID-Projekten wird speziell darauf geachtet, die Belastung der Frauen durch „care work“ zu mindern. So ersetzt zum Beispiel die Installation eines eigenen Trinkwasseranschlusses das mühsame Schleppen von Wasserkanistern. Bei der Organisation von Weiterbildungskursen werden zudem Kinderbetreuungsdienste angeboten und die Männer dazu angehalten, im Haushalt einzuspringen.

Keine Gewalt mehr!

Besondere Aufmerksamkeit widmet SWISSAID der Überwindung von sexueller Gewalt gegen Frauen - die wohl schlimmste Auswirkung von Diskriminierung. Konkret klärt SWISSAID beispielsweise die Bevölkerung eines ländlichen Dorfes in Indien oder Nicaragua über den gesetzlich verankerten Opferschutz und die Strafverfolgung von Tätern auf. Das Ergebnis dieser oft schwierigen Überzeugungsarbeit ist ermutigend: Manche Männer schwören öffentlich der Gewalt gegen Frauen und Kinder ab und ändern tatsächlich ihr Verhalten, was wiederum Nachahmer findet.

Ohne Politik ändert sich auf Dauer wenig

Gesellschaftliche Veränderungen sind jedoch nur nachhaltig, wenn auch die gesetzlichen und institutionellen Rahmenbedingungen angepasst werden. SWISSAID stärkt darum die  Partnerorganisationen vor Ort bei der politischen Einflussnahme und der Durchsetzung von Gerechtigkeit und der Gleichstellung von Mann und Frau.