Der Nahrungsmittelspekulation einen Riegel schieben

Der Nahrungsmittelspekulation einen Riegel schieben

Am 28. Februar 2016 wird über die Volksinitiative „Keine Spekulation mit Nahrungsmitteln (Spekulationsstopp-Initiative)“ abgestimmt. Heute informierte an einer Medienkonferenz das aus Hilfswerken, Bäuerinnen und Bauern, kirchlichen Organisationen und Parteien bestehende „Bündnis gegen Spekulation mit Nahrungsmitteln“ über die geplante Abstimmungskampagne und warb für ein deutliches Ja zur Initiative.  

Nach wie vor leiden weltweit 1.8 Milliarden Menschen an Hunger und Mangelernährung. Jede Sekunde stirbt ein Mensch an den Folgen von Unterernährung. Die Uno spricht im Zusammenhang mit dem Welthunger von der grössten lösbaren Krise unserer Zeit. „Seit ein bis zwei Jahrzehnten kommt ein neues, sich zunehmend verschärfendes Problem hinzu. So wird der Welthunger heute zusätzlich verstärkt durch Entwicklungen am Finanzmarkt“, führte die Aargauer Ständerätin Pascale Bruderer Wyss aus. „Diese Hebelwirkung will die Initiative ‚Keine Spekulation mit Nahrungsmitteln‘ reduzieren, indem Finanzinstitute mit Sitz oder Niederlassung in der Schweiz nicht länger mit Agrarderivaten spekulieren dürfen.“
 
Heute spekulieren ausländische Investment-Fonds und einige wenige Trader in der Schweiz auf Grundnahrungsmittel, was zu extremen Preisschwankungen führt. Dieses schädliche Geschäft verursacht Hunger und Elend auf der ganzen Welt. „Hungernde Menschen, die sich ihre Nahrung nicht mehr leisten können, sind die direkte Folge der Machenschaften an den Nahrungsmittelbörsen“, erklärte JUSO-Vize-Präsidentin Hanna Bay.
 
Die Geschäftsleiterin von Swissaid, Caroline Morel, berichtete über die durch die Nahrungsmittelspekulation verursachten Probleme in ihren Projektländern: „Die unberechenbare Preisentwicklung für ihre Produkte ist für Kleinbauernfamilien in Ländern des Südens verheerend, denn sie können nicht langfristig planen und scheuen sich, in ihren Betrieb zu investieren. In der Not kann die unsichere Situation dazu führen, dass die Bauern Saatgut, Vieh oder Land verkaufen müssen.“
 
„Das eigentliche Problem der Spekulation auf Nahrungsmittel ist, dass der Preis so nicht mehr von Angebot und Nachfrage bestimmt wird, sondern durch andere Faktoren verfälscht wird“, führte der Berner EVP-Grossratspräsident und Geschäftsführer von Interaction Marc Jost aus.
 
Dies wirkt sich auch auf die Schweizer Landwirtschaft aus, die ebenfalls von Preisschwankungen betroffen ist. 2010 verlor die Schweizer Landwirtschaft so 100 Millionen Franken. „Uns Bauern, die wir jeden Morgen früh aufstehen und die wir unsere Arbeit lieben, stört besonders, dass sich einige wenige auf Kosten der Produzenten und Konsumenten bereichern, ohne dass sie sich jemals die Hände schmutzig gemacht haben oder gar wissen, auf was sie spekulieren“, bekräftigte Philippe Reichenbach, Bauer und Präsident von Uniterre Neuenburg.
 
Auch der Pfarrer des Zürcher Neumünsters, Andreas Peter, sprach sich entsprechend der Parole der Evangelische Landeskirche (SEK) für die Spekulationsstopp-Initiative aus: „Es ist mir als Bürger, Pfarrer und liberaler Geist auch schlicht unverständlich, warum sich die Finanzindustrie zum X-ten Mal in einem ungeregelten Feld bewegen will, weniger geregelt als die liberalen Vereinigten Staaten von Amerika oder die Europäische Union.“

Für weitere Auskünfte:

  • Pascale Bruderer Wyss, Ständerätin SP/AG, 076 527 17 56
  • Hanna Bay, Vize-Präsidentin JUSO Schweiz, 079 383 45 17
  • Caroline Morel, Geschäftsleiterin Swissaid, 079 208 75 17
  • Marc Jost, EVP, Grossratspräsident Kanton Bern, Geschäftsführer Interaction, 076 206 57 57
  • Philippe Reichenbach, Präsident Uniterre Neuenburg, 079 640 89 63
  • Andreas Peter, Pfarrer Neumünster Zürich, 044 383 33 51