Dem Kokain-Fluch entrinnen: Wie SWISSAID den Bauern in Kolumbien legale Einkommensalternativen aufzeigt

Dem Kokain-Fluch entrinnen: Wie SWISSAID den Bauern in Kolumbien legale Einkommensalternativen aufzeigt

Zürich/Bern, 27. Juni 2018. 80'000 Familien in Kolumbien leben vom Koka-Anbau. Reich werden sie dabei nicht: Bloss 1,30 Dollar erhält ein Campesino pro Kilo Koka-Blätter. Die Alternativen für die Landbevölkerung sind aber häufig so karg wie ihre Böden. SWISSAID zeigt den Kleinbauern auf, wie sie mit agroökologischen Methoden auf legale Art ihre Familien ernähren können. Wie viel Leid und Gewalt viele Koka-Bauern über sich ergehen lassen müssen, weiss Luz Piedad Caicedo. Die Menschenrechtsaktivistin ist zurzeit in der Schweiz und für Interviews verfügbar.

Gewalt, organisierte Kriminalität, schneller Kick und schnelles Geld prägen Handel, Anbau und Konsum von Kokain weltweit. Bauernfamilien im Süden und Osten Kolumbiens wählen den Weg in die Illegalität meistens aus Verzweiflung. Denn das grosse Geld machen andere, irgendwo auf dem langen Weg von Südamerika, Afrika bis nach Europa.

Drogenproduktion und -handel in Kolumbien waren jahrzehntelang eng mit dem Bürgerkrieg verknüpft. Bewaffnete Banden kontrollierten Anbau und Handel und hielten die Preise der Koka-Blätter mit Gewalt tief. Dass bis heute Zehntausende Bäuerinnen und Bauern Koka statt Früchte anbauen, liegt auch an der schieren Alternativlosigkeit: Schlechte landwirtschaftliche Kenntnisse treffen auf mangelnde staatliche Präsenz und desolate Infrastruktur isolierter Landstriche, was wiederum den Anschluss an den Markt erschwert. Hier kommt SWISSAID zum Zug. «Wir unterstützen Kleinbauern mit der Einführung agroökologischer Landwirtschaftsmethoden und der Diversifizierung ihrer Kulturen, damit sie die Produktivität ihrer Fincas steigern können. So erhalten insbesondere Jugendliche ökonomische Perspektiven, ohne in die Illegalität abzurutschen», sagt Daniel Ott Fröhlicher, Landesverantwortlicher für Kolumbien.

Interviewmöglichkeit: Menschenrechtsexpertin zur Not der Koka-Bauern

Trotz des Friedensabkommens von 2016 bleibt Kolumbien weltweit grösste Kokainproduzentin. Kriminelle Banden, der repressive Drogenkrieg des Staats, der grossflächig das gesundheits-gefährdende Herbizid Glyphosat versprühte und die wirtschaftliche Perspektivlosigkeit setzen die Koka-Bäuerinnen und -Bauern unter massiven Druck. Die Menschenrechtsaktivistin Luz Piedad Caicedo kennt die Not der Landbevölkerung aus erster Hand. Sie forscht zur nationalen Drogenpolitik und berät Bauerngemeinschaften vor Ort. Bis zum 3. Juli weilt die Expertin in der Schweiz und ist für Interviews verfügbar.

Die Schweiz ist mittendrin

Luz Piedad Caicedo reist auf Einladung von SWISSAID Zürich in die Schweiz. Dass der entwicklungs-politische Verein unter dem Präsidium von SP-Nationalrat Fabian Molina seinen Gründungsanlass ausgerechnet der kolumbianischen Droge widmet, ist kein Zufall. «Unter den zehn europäischen Städten mit dem höchsten Kokain-Konsum befinden sich fünf Schweizer Städte. Schweizerinnen und Schweizer konsumieren Kokain, ohne sich über die brutalen globalen Dimensionen bewusst zu sein, die im Dämmerlicht der Illegalität Blüten treiben.» Am 28. Juni diskutieren Expertinnen und Experten in Zürich über Probleme und Lösungsansätze des Kokain-Konsums.

Informationen/ Koordination Interviewtermine mit Luz Piedad:
Zora Schaad, Mediensprecherin SWISSAID: +41 78 740 72 07