Mit Bodenwürmern und Bio-Dünger die Armut zurücklassen

Die Armut in den abgelegenen Dörfern im Landkreis Matiguás, Nicaragua, ist zum Teil erschreckend. Immerhin ist einiges ins Rollen gekommen, seit die Bauernfamilien zusammenspannen. „Gesund und genug essen“ steht immer am Anfang.

Mit geübtem Blick sucht Maria Auxiliadora Ramos den Boden ab, zupft zwischen den Maniok- und Maispflanzen Unkraut aus der Erde. Der dicke Bauch ist ihr im Weg, schon bald kommt ihr viertes Kind auf die Welt. Dennoch gönnt sich Maria keine Pause: Schon jetzt müssen elf Personen von den nur 1,4 Hektaren Land leben, die sie zusammen mit ihrem Vater bewirtschaftet.

Wer Maria besuchen möchte, muss von der Hauptstadt aus 2,5 Stunden mit dem Bus in die Bergstadt Matagalpa fahren. Nochmal zwei Stunden Fahrt bleiben nach Matiguás, wo SWISSAID seit dem Sommer 2014 arbeitet. Nur zwei der sechs Dörfer sind durch eine Strasse mit der Aussenwelt verbunden – und auch das nur, wenn es trocken und die holprige Sandpiste befahrbar ist. Wer die anderen Dörfer erreichen will, muss ein bis zwei Stunden Marsch unter die Füsse nehmen.

Wer zahlt, befiehlt 

Trotz der Abgeschiedenheit tobt in Matiguás der Verdrängungskampf. Entlang der Hauptstrasse und überall, wo es flachere Stellen gibt, haben sich grosse Viehzuchtbetriebe breit gemacht. Viele Männer verdienen dort unter miesen Arbeitsbedingungen und mickriger Bezahlung ein kleines Zubrot. Nachdem sie ihr eigenes Land in finanzieller Not verkaufen mussten oder wegen fehlender Besitzurkunden davon vertrieben wurden, zogen sie sich mit ihren Höfen an die steilen Berghänge zurück. Trinkwasser, Strom oder einen Gesundheitsposten gibt es dort meistens nicht. Die Böschungen sind stark erodiert, die Böden durch die Viehwirtschaft ausgelaugt und die Wälder abgeholzt. Immerhin gibt es in einigen Dörfern Primarschulen. Nach sechs Jahren ist auch dort Schluss, das Bildungsniveau in Matiguás entsprechend tief.

Ernährung gesichert, Kopf frei

Zurück zu Maria: Seit sie beim SWISSAID-Projekt mitmacht, wachsen auf ihrer Parzelle Kaffee, Bananen, Mango und Zitronen im geordneten Durcheinander eines Agroforstsystems. In Kursen zu biologischer Landwirtschaft hat sie Saatgut und Setzlinge erhalten und gelernt, dass Diversifizierung dem Boden gut tut. Mit den bodendeckenden Pflanzen Guandul und Canavalia verbessert Maria nun Stickstoffgehalt und Fruchtbarkeit auf ihrer Parzelle. Bereits kann sie ihre Familie ausgewogener ernähren, die Guayana- und Chiote-Ernte reicht sogar, um Überschüsse zu verkaufen. Auch die anderen Pflanzen sollen bald grössere Erträge abwerfen.

Sind die Kinder satt, hat Maria den Kopf frei für die gemeinsamen Ziele der Bauerngemeinschaft. Die Aufklärungsarbeit über die Rechte der Frau, Gesundheitstage mit kostenloser Beratung zu Verhütung und sexueller Gesundheit sowie die Gründung einer Jugendorganisation betreffen die alleinerziehende Mutter besonders. Aber auch die Versorgung der Dörfer mit Strom, die Verbesserung der Zufahrtsstrassen und der Bau einer Kapelle stehen auf der Agenda.

Bodenwürmer, Solarstrom, Bio-Dünger

Es ist das erste Mal, dass sich die Kleinbauernfamilien zusammenschliessen und mit einer Organisation an der Verbesserung ihrer Lebensumstände arbeiten. Einige machen wie Maria mit, weil davon ihr Überleben abhängt. Andere wie Francisco Efrain Davila interessieren sich auch für das grosse Ganze. Der „Pionierbauer“ ist zuvorderst mit dabei, wenn es um die Herstellung von Biodünger, die Zucht von Bodenwürmern oder die Installation von Solarstrom und Wasserleitungen geht. Sein Hof gilt als Musterbetrieb und Francisco teilt seine Erfahrungen gerne mit anderen Bäuerinnen und Bauern. Am Ende sollen alle ein „Stück vom Kuchen haben“ und die Armut hinter sich lassen. 

Projektcode: NC 02/15/05

Projektkosten: 103‘740 Franken 

Begünstigte: 217 Bäuerinnen und Bauern mit ihren Familien

Laufzeit: 18 Monate