Mit Fruchtbäumen gegen den Klimawandel

Wenn der Regen ausbleibt, zum falschen Zeitpunkt oder in ungewöhnlichen Mengen niederprasselt, dann ist die Ernte gefährdet – und damit das ganze Leben. Die Bauern und Bäuerinnen im bergigen Hinterland von Matagalpa, Nicaragua, suchen gemeinsam mit SWISSAID nach Lösungen, um dem Klimawandel zu trotzen. Mit Erfolg.

Für Cayetano Hernández ist der Fall klar: „Die Trockenperioden sind länger als früher, und es ist heisser geworden.“ Und er erklärt auch gleich, warum er das weiss: „Das sehen wir an den Blättern der Bäume, die vertrocknen und abfallen.“ Für den Bauern, der mit seiner Frau, seinen Eltern und seinem Bruder im Dörfchen Piedra Colorada einen Hof bewirtschaftet, hatte die Verkürzung der Regenzeit dramatische Folgen: Die Erträge auf seinen Mais- und Bohnenfeldern fielen Jahr für Jahr geringer aus, und der Wasserspiegel im Trinkwasser-Brunnen begann sich bedrohlich abzusenken.

Um den Launen des Wetters zu trotzen, beschloss Cayetano vor fünf Jahren, dem von SWISSAID finanzierten landesweiten Bildungs- und Förderprogramm „Von Bauer zu Bauer beizutreten. Dort hat er gelernt, wie er die Erosion mit Schutzwällen und Terrassen verhindern und den Boden feucht halten kann, indem er Ernteabfälle ausbringt. Neben Mais und Bohnen baut die Familie nun auch Kaffee, Früchte und Gemüse an und ist so von klimabedingten Ernteausfällen weniger betroffen. Zudem hofft Cayetano, dass im Schatten der neu gepflanzten Fruchtbäume die übrigen Kulturen auch bei starker Hitze besser gedeihen.

Kampf gegen den Pilzbefall

Auch Rosalba Flores Aguilar erfuhr in den Weiterbildungs-Kursen von den zerstörerischen Kräften des Klimawandels und wie sie sich schützen kann. In der Trockenzeit waren zuvor oft die Wasserquellen des Dorfes versiegt. Rosalba löste dieses Problem, indem sie einen kleinen See anlegte, der zur Bewässerung der wichtigsten Nahrungspflanzen dient. Inzwischen hat sie zwölf Fruchtbäume gepflanzt. Deren Früchte schmecken nicht nur ihren drei Kindern, sondern finden auch auf dem Markt guten Absatz.

Im gleichen Dorf wie Rosalba, Jucuapa, lebt auch Nelson Valle Castro. Wegen der ungewöhnlichen Hitze in der Trockenzeit haben neue Pilzkrankheiten seine Gurken- und Tomatenkulturen befallen. Im Programm „Von Bauer zu Bauer“ lernte Nelson, nachhaltige Lösungen im Kampf gegen den Pilzbefall zu entwickeln. „Wir nutzen natürliche Produkte wie Biodünger und Schwefelkalkbrühe, die uns helfen, die Pflanzen zu nähren und Krankheiten zu verhindern.“

Nelson will auch in Zukunft mit natürlichen Mitteln zur Bekämpfung von Schädlingen und Krankheiten experimentieren. „Der Ansatz hat sich bewährt“, sagt er, „denn diese Produkte sind weniger teuer, und wir können sie hier auf unserem Bauernhof gleich selber herstellen.“ Die Familien, die beim Programm „Von Bauer zu Bauer“ mitmachen, konnten wie Nelson ihre Einkommen spürbar steigern. Doch neben dem finanziellen Vorteil betont Nelson Valle Castro auch den ökologischen Aspekt: „So kann ich einen wertvollen Beitrag zum Schutz der Umwelt leisten.“

Innovative Geschäftsmodelle

Die Folgen des Klimawandels musste auch Haydee Blandón Lanzas erfahren. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern auf einem kleinen Hof im Dorf El Jícaro. Seit zehn Jahren kämpft sie nun gegen die ständigen Wetterkapriolen – mit wachsendem Erfolg. „Auch wenn die Erträge von Mais und Bohnen noch nicht super sind, ist die Ernte zumindest sicher gestellt“, freut sich Haydee, „denn wir nutzen lokale Saatgutsorten, die widerstandsfähiger sind gegen Trockenheit.“

Auch Haydee wurde bei der Diversifizierung ihres Bauernbetriebes von SWISSAID unterstützt. Vorher reichte der Ertrag nur für die Selbstversorgung, nun hat sie begonnen, Produkte zu verkaufen. Mit einem Kredit kaufte Haydee ein Kalb und zwei Milchkühe, deren Milch zur gesunden Ernährung der Familie beiträgt und auf dem Markt auch einen Zustupf bringt.

Doch damit nicht genug: Da Klimaschwankungen auch die Gesundheit der Menschen belasten, hat die findige Bäuerin begonnen, Medizinalpflanzen anzubauen. „Die Leute haben kein Geld, um teure Medikamente zu kaufen und die natürliche Medizin ist eine gute Alternative“, begründet sie ihre Expansion in dieses neue Geschäftsfeld. Haydee hat sich vorgenommen, ihren Betrieb weiter zu diversifizieren - damit der Esstisch für die Familie künftig noch reichhaltiger gedeckt sein wird.

 

 

  • Projektnummer: 2/14/01
  • Kosten: 143'640 Franken
  • Laufzeit: 18 Monate
  • Anzahl direkt Begünstigter: 2'211 Kleinbauernfamilien

Wie sich CO2-Einsparungen berechnen lassen

Die ökologische Landwirtschaft erhöht die Bindung von Kohlendioxid (CO2) im Boden und verzichtet auf chemischen Dünger und Pestizide, die vorwiegend auf nicht erneuerbaren Energiequellen basieren. Das grösste Potenzial zur Vermeidung von Treibhausgasemissionen besteht durch die Kohlenstoffbindung im Boden selber, nämlich durch den Aufbau von Humus. Zudem wird Dünger auf dem Bauernhof selbst hergestellt und die Ernte vorwiegend auf lokalen Märkten verkauft. Für die wissenschaftliche Berechnung dieser CO2-Einsparungen arbeitet SWISSAID mit Care for Climate zusammen. Im Verein Care for Climate organisieren sich ehemalige Studierende der ETH Zürich und erfahrene Fachleute, welche das CO2-Einsparungspotenzial von Projekten evaluieren. Care for Climate berechnete für das SWISSAID-Projekt in Nicaragua eine Einsparung von rund einer Tonne Kohlendioxid pro Hektare und Jahr. In der Schweiz verbraucht eine Person durchschnittlich 12,5 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr.           

www.careforclimate.org