Indien: Mehr Erbsen und Bohnen auf den Tisch!

In Indien essen gerade arme Menschen – staatlich gefördert – immer mehr Reis und weniger Bohnen oder Linsen. Dabei haben Hülsenfrüchte nur Vorteile. Sie sind gesund, haltbar, anspruchslos im Anbau, schmecken toll – und düngen ganz nebenbei den Boden. Im agroökologischen Bio-Landbau spielen sie eine ganz besondere Rolle.

«Mein Acker ist sandig und vieles kam nicht recht», erzählt Kumari Bai, die mit ihrem ausgelaugten Acker drei Kinder ernähren muss. «Dann pflanzte ich Strauchbohnen und Getreide abwechslungsweise in Reihen – und die Ernte fiel ganz anständig aus.» Heute weiss sie: «Auf unseren Böden wachsen die anspruchslosen Hülsenfrüchte einfach besser.»

Die Familie von Kumari Bai gehört zur Volksgruppe der Gond oder Ureinwohner, die bis vor wenigen Jahrzehnten fast ausschliesslich mit und vom Wald lebten. Mit der Modernisierung Indiens wurden viele aus ihrem natürlichen Lebensraum vertrieben. Dabei ging auch Wissen über die Bewirtschaftung der Wälder und der traditionellen Landwirtschaft verloren.

Agroökologie für Bauernfamilien

Heute bestellen die Gond in der Nähe der Wälder ihre mageren Felder und zählen zu den untersten Gesellschaftsschichten. Im Projektgebiet im Gliedstaat Chhattisgarh leben drei von fünf Familien unter der Armutsgrenze und haben bloss während sechs Monaten im Jahr genügend zu essen. Für die übrige Zeit müssen die Familien auf das staatliche Food-Programm hoffen, das einseitig Reis und Weizen verteilt. 70 Prozent der Kinder leiden unter Blutarmut und die Kindersterblichkeit ist mit 4,5% auch für indische Verhältnisse hoch.

In erster Linie geht es im Projekt darum, dass die Menschen das ganze Jahr über genug zu essen haben – nachhaltig und ökologisch. Die Partnerorganisation setzt daher auf den Gemüseanbau in den Gärten der Frauen und betreibt in den Dörfern Versuchsfelder, auf denen Bauern unter Anleitung erfahrener Landwirte die Grundzüge der agroökologischen Landwirtschaft kennenlernen. Auch Tierhaltungskurse stehen auf dem Programm.

Für den Landbau bedeutet dies, dass die Frauen und Männer verschiedene Pflanzen anbauen und das lokale Saatgut nicht einfach mischen und auswerfen. Die Pflänzchen wachsen so zu nah beisammen und stehen in enger Konkurrenz um Licht, Luft, Erde und Wasser. Sinnvoller ist es, die Saat in Reihen und im richtigen Abstand auszubringen. «Das braucht weniger Saatgut und Dünger», erklärt Bäuerin Kumari Bai.

1:0 für Bohnen und Linsen

Den Dünger lernen die Bauern mit Dung und Kompost selber herstellen – oder sie pflanzen den Dünger gleich dort, wo er benötigt wird: im Boden. Hülsenfrüchte wie Bohnen und Erbsen haben den Vorteil, dass sie mithilfe eines Bakteriums den Stickstoff im Boden speichern und so anderen Pflanzen zugänglich machen. Auf den Versuchsfeldern lernen die Bäuerinnen und Bauern daher, dass eine Reihe Maisstängel mit einer Reihe Bohnen ergänzt werden sollte. Die Hülsen bringen den Stickstoff aus der Luft zu den Wurzeln der Maispflanze.

In der konventionellen Landwirtschaft hingegen wird teurer, synthetischer Stickstoff-Dünger verwendet, der nur mit hohem Energieaufwand gewonnen und unter enormen Verlusten auf den Feldern ausgebracht werden kann. Die Vorteile des agroökologischen Anbaus liegen für benachteiligte Bauern auf der Hand und zahlen sich innert Kürze mit einer höheren Bodenfruchtbarkeit aus. «Bereits nach einem Jahr konnte ich einen Viertel mehr ernten», erzählt Biharin Bai, eine andere Bäuerin, begeistert.

Die Mutter von fünf Kindern ist zusammen mit ihrem Mann auf dem besten Weg, zu schaffen, was lange unmöglich schien: auf ihren 1,4 Hektar Ackerland genug anzubauen, um die ganze Familie das ganze Jahr hindurch zu ernähren. Denn sie steigerte die Ernte, obwohl letztes Jahr Dürre herrschte. Man malt sich gerne aus, wie gross die Ernte ist, wenn die Trockenheit vorbei ist.