Mehr Demokratie – weniger Hunger

Mehr Demokratie – weniger Hunger

Bern, 20. November 2013. Warum sterben täglich 25‘000 Menschen an Hunger, obwohl es weltweit genug Lebensmittel gibt? Internationale und Schweizer Persönlichkeiten plädierten an einer Podiumsveranstaltung von SWISSAID und dem CDE der Universität Bern für eine wirkliche Demokratie, in der Anliegen von KonsumentInnen und BäuerInnen im Zentrum stehen - nicht nur die Interessen der globalen Nahrungsmittelindustrie.

Die Demokratie leistet in der Schweiz einen wichtigen Beitrag zur Gestaltung der Ernährungspolitik, zum Beispiel über das Gentech-Moratorium, in der Debatte über Agrarpolitik und -freihandel und mit einer Volksinitiative zum Verbot der Spekulation mit Nahrungsmitteln. Die Schweiz ist jedoch auch Sitz zahlreicher multinationaler Agrar- und Lebensmittelkonzerne, die sich demokratischer Kontrolle entziehen und global grossen Einfluss auf Produktion, Handel und Konsum von Lebensmitteln haben.

„Es ist wichtig, dass Produktion, Verarbeitung und Vermarktung von Lebensmitteln auf viele lokale und regionale Akteure ausgeweitet und Marktkonzentration durch Monopole verhindert wird“. So lautet das Fazit von Frances Moore Lappé nach über 40 Jahren Engagement gegen den Hunger. Wer produziert was, für wen und unter welchen Bedingungen? Dies müsse die Gesellschaft entscheiden, nicht einige global agierende Unternehmen, sagte die US-Bestsellerautorin und Trägerin des alternativen Nobelpreises an der Podiumsveranstaltung am Mittwoch an der Universität Bern.

Jean Feyder, bis Ende 2012 Botschafter Luxemburgs an WTO und UNO in Genf, forderte „besseren Schutz von Kleinbauern gegen unfaire Handelspraktiken und gerechte Preise für deren Produkte“. Aktuell sieht Feyder die Ernährungssicherheit durch den steigenden Einfluss der Finanzmärkte bedroht. Hans Hurni, Präsident des Centre for Development and Environment (CDE) der Universität Bern, gibt dazu wissenschaftliche Rückendeckung. „Kleinbauern in Entwicklungsländern machen 40 Prozent der Weltbevölkerung aus, haben aber keinen Einfluss auf Entscheidungen von internationaler Tragweite. Nur wenn kleine Bauernbetriebe umfassend unterstützt und gestärkt werden, lässt sich die Produktion von Lebensmitteln nachhaltig steigern.“

Genau hier setzt das Hilfswerk SWISSAID an: „Wir unterstützen Bäuerinnen und Bauern in Entwicklungsländern, ihre Rechte einzufordern – insbesondere für den Zugang zu Land“, sagte Caroline Morel, Geschäftsführerin von Swissaid. Mit dem Gentech-Moratorium beweise die Schweiz, dass „dort, wo Bäuerinnen und Konsumenten mitentscheiden können, der Schutz der Umwelt, die menschlichen Gesundheit und das Tierwohl Vorrang haben wird“. Das Fazit der Veranstaltung war klar: Mitbestimmung in Politik und Wirtschaft auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene führt zu einem gerechteren Ernährungssystem, das allen Menschen Zugang zu ausreichend nachhaltig produzierten und gesunden Lebensmitteln ermöglichen kann.

Weitere Informationen: