Astrid Alvarez: "Frieden in Kolumbien ist nicht denkbar ohne Gleichberechtigung - und ohne Perspektiven"

Die 48-jährige kolumbianische Programmverantwortliche Astrid Alvarez lebt mit ihrer Nichte in der Hauptstadt Bogotá. Sie liebt aber auch das Landleben – schon als Kind verbrachte sie ihre Ferien am liebsten auf der Finca der Grosseltern.

Astrid, wie lange arbeitest du bei SWISSAID?

Seit 20 Jahren.

Worin besteht deine Aufgabe?

Ich bin Agronomin. Bei SWISSAID unterstütze ich indigene, afrokolumbianische oder kleinbäuerliche Basisorganisationen bei der Planung und Durchführung von Projekten.

Warum arbeitest du für SWISSAID? 

Mir gefällt der Entwicklungsansatz, also der Aufbau und die Zusammenarbeit mit Basisorganisationen und die Stärkung der lokalen Gemeinschaften. SWISSAID drückt den Menschen nicht einfach ein Projekt auf und setzt das dann um. Es sind immer Selbsthilfeprojekte, die von den Menschen in den Dörfern angerissen und durchgeführt werden.

Was magst du an deiner Arbeit besonders?

Ich bin gerne in Kontakt mit den Menschen und mag die Arbeit im Feld. Ausserdem ist unsere Arbeit nötig, denn ausser uns tut sie keiner: In Kolumbien ist SWISSAID in Regionen tätig, in die andere Organisationen nicht einmal einen Fuss setzen würden.

Worin bestehen die Herausforderungen?

Die Arbeit bei SWISSAID ist vielschichtig. Eine Person kann unmöglich alle Fachbereiche abdecken. Wir beschäftigen uns sehr häufig mit neuen Fragestellungen und sind froh, wenn wir in bestimmten Fällen externe Spezialisten beiziehen können.

Was machst du in deiner Freizeit am liebsten?

Ich bin gerne unterwegs und lerne Neues kennen. Es war für mich ein gewaltiger Schock, als ich auf einer Projektreise mit einem Bus schwer verunglückte und monatelang nicht gehen konnte. Ich hatte wirklich Angst, meine Arbeit nicht mehr ausüben zu können. Nach zahlreichen Operationen bin ich heute wieder gut zu Fuss. 

Wovon träumst du?

Eines Tages möchte ich auf meiner Finca, die ich zusammen mit ein paar Freundinnen besitze, Aroma-Öle herstellen. Aber dazu muss ich entweder mehr Land kaufen oder meine Nachbarinnen und Nachbarn ins Boot holen, damit sie für uns duftende Rosen und andere aromatische Pflanzen anbauen.

Dein Wort zum Schluss?

Die Arbeit von SWISSAID bringt den Frieden in Kolumbien vorwärts. Zum Beispiel indem wir für Jugendliche, Frauen und Männer auf dem Land Möglichkeiten schaffen, ein eigenes Einkommen zu erwirtschaften. Dies steigert das Selbstwertgefühl der Einzelnen wie auch der Gemeinschaft und erhöht die Gleichstellung zwischen Frauen und Männern. Wir machen Ungleichheit sichtbar und zeigen, was dagegen getan werden kann. Denn Frieden auf dem Land und in Kolumbien überhaupt ist nicht denkbar ohne Perspektiven und ohne Gleichberechtigung.