Hunger ade: «Lebende Berge» statt kaputte Böden

In den Anden Kolumbiens litten Bäuerinnen wie Ewangelina Gonzalez lange unter Hunger – trotz fruchtbarer Böden. Dank Agroökologie hat sich nicht nur ihre Ernährung, sondern auch ihr Einkommen massiv verbessert. Davon haben sich zwei Mitglieder des SWISSAID-Vereins Zürich auf eigene Faust und Kosten überzeugt.

Ewangelina Gonzalez steht regungslos in der grünen, hügeligen Landschaft. Unter der Krempe ihres braunen Filzhutes blicken wache Augen in Richtung der ankommenden Besucher. Mit einer winkenden Geste bedeutet sie uns ihr zu folgen. Der Weg führt über die weiche Wiese, auf eine von Bäumen gesäumte Hügelkuppe hinunter in einen Steilhang. In der Talsohle erblickt man eine kleine Finca. Aus dem Hügel ertönt das Plätschern und Gurgeln einer verborgenen Quelle.

«Das Leben der Bauern ist hart»

«Man darf sich von der malerischen Landschaft nicht täuschen lassen», erklärt Ruben Garcia, während wir den steilen Weg zur Finca hinabsteigen. «Das Leben der Bauern ist hart.» Der Umweltingenieur kommt regelmässig hierher nach Mongua. Das Dorf liegt 2975 Meter über Meer im Bezirk Boyacá, rund 230 Kilometer von der kolumbianischen Hauptstadt Bogotà entfernt. Als Projektleiter bei SWISSAID ist Ruben Garcia für die Umsetzung des Projekts «Montañas Vivas», zu Deutsch «Lebende Berge», zuständig.

«Die Menschen hier leben von zwei Dingen: Dem Bergbau und der Landwirtschaft. Während die Männer sechs Tage die Woche in den Minen arbeiten, kümmern sich die Frauen um die Felder», erklärt Ruben. Doch diese Arbeit wurde immer schwieriger. Denn die Agrarexperten der Regierung rieten den Bäuerinnen, auf den Kartoffelanbau zu setzen. «Die Monokulturen, der Dünger und die Pestizide machten die Böden zusehends kaputt.»

Hunger trotz Kartoffeln

Das Resultat: Die Ernten wurden kleiner. Immer weniger Kartoffeln konnten auf dem Markt verkauft werden. Das Geld für die Grundnahrungsmittel wurde knapp. Trotz fruchtbarer Böden litten die Menschen unter Mangelernährung. Hier setzt das Projekt von SWISSAID an: «Wir helfen den Menschen ihren Anbau mit konkreten Massnahmen neu zu organisieren», sagt Ruben Garcia. Das bedeutet weg von Monokultur und Chemie, hin zu einer biologischen und diversifizierten Landwirtschaft.

Die Experten von SWISSAID organisierten zusammen mit den Bauern den Bau von Gewächshäusern. Sie konstruierten Wassertanks und Bewässerungsanlagen. Gleichzeitig halfen sie ihnen beim Bau von Kaninchenställen und der Kaninchenzucht. Jede Bauernfamilie erhielt zudem ein Schaf.

«Unser Leben hat sich massiv verbessert»

Ewangelina Gonzalez serviert uns süssen Kaffee und milden Weichkäse. Wir sitzen auf einer Holzbank unter dem Vordach der kleinen Finca mitten im Grün. «Mit der Hilfe von SWISSAID hat sich unser Leben in den letzten Jahren massiv verbessert», erklärt die 68-Jährige. Dank dem Projekt habe sie nun wieder genug zu Essen für sich, ihre Schwester Anna Rosa und ihren Sohn Luiz Alberto, mit denen sie den Hof bewirtschaftet. Die Überschüsse verkaufen sie auf dem Markt.

Wo früher nur Kartoffeln angebaut wurden, steht heute ein Gewächshaus. Darin gedeiht eine Vielzahl Obst- und Gemüsesorten. Die Bewässerung wird dabei, vom Wassertank gespeist, über ein ausgeklügeltes System von Rohren gewährleistet. «Das erleichtert meine Arbeit sehr», sagt Ewangelina Gonzalez. Und mit den neuen Anbautechniken sei es auch für ihren Sohn attraktiv geworden, den Hof eines Tages zu übernehmen und weiterzuführen.