Brasilien: Brutale Gewalt an landlosen Bauern

Brasilien: Brutale Gewalt an landlosen Bauern

Bei einer friedlichen Demonstration gegen Syngenta in Brasilien wurde ein Klein- bauer getötet. Die Aktivisten wollten auf einem Versuchsgelände von Syngenta auf die Gefahren gentechnisch veränderten Saatgutes aufmerksam machen.

Es geschah am Sonntag, den 21. Oktober 2007: Morgendämmerung liegt über den Feldern von Santa Tereza do Oeste im brasilianischen Bundesstaat Paranà. Rund 150 Bauern besetzen das Gelände einer ehemaligen Syngenta-Versuchsfarm, die seit Jahren umstritten ist.

Ein Toter, weitere Verletzte

Sie wollen damit gegen den Anbau von gentechnisch verändertem Saatgut protestieren. Kurz nach Mittag: Ein Bus mit rund 40 Sicherheitsleuten taucht auf. Die Männer erschiessen den Anführer der Bewegung der landlosen Bauern. Weitere Personen werden verletzt.

Ein Massaker an friedlichen Landlosen, begangen von Privatmilizen im Solde von Syngenta. Dies erklären die brasilianischen Nichtregierungsorganisationen und fordern, der multinationale Konzern solle Brasilien verlassen.

Kleinbauernorganisation besetzt das Gelände

Die Schüsse auf der Syngentafarm fielen nicht aus heiterem Himmel. Sechs Kilometer vom Naturschutzgebiet Iguaçu enfernt hatte Syngenta Versuche mit Gentech-Soja durchgeführt. Das brasilianische Gesetz sah indes einen Sicherheitsabstand von zehn Kilometern zu Naturschutzgebieten vor.

Im März 2006 machten brasilianische Organisationen ihre Regierung darauf aufmerksam. 1000 Angehörige der Kleinbauernorganisation Via Campesina besetzten das Gelände.

Geldstrafe bestätigt, doch Fall nicht abgeschlossen

Ende 2006 dekretierte der Gouverneur eine Enteignung und das brasilianische Umweltinstitut brummte Syngenta eine Geldstrafe von einer haben Million Dollar auf. Daraufhin äusserte die Regierung Lula da Silvas die Absicht, die Sicherheitszone um den Nationalpark auf 500 Meter zu reduzieren – die Änderung wurde jedoch nicht eingeführt.

Syngenta hat die beiden Strafen dennoch angefochten. Am 30. November hat das Gericht die Geldstrafe bestätigt. Das Urteil kann noch weiter angefochten werden.

Lange den Einschüchterungsversuchen standgehalten

Bis im Juli 2007 hielten die landlosen Familien auf der Versuchsfarm den Einschüchterungsversuchen stand. Jetzt wollten sie mit einem erneuten Einzug auf der ehemaligen Farm die Öffentlichkeit darauf aufmerksam machen, dass der Gerichtsfall Syngenta noch immer nicht abgeschlossen ist.

Syngenta erklärte kurz nach den Vorfällen gegenüber der «Basler Zeitung», man wisse nicht, was die Aktivisten auf dem Gelände gewollt hätten. Syngenta habe jederzeit alle nötigen behördlichen Zulassungen für die Versuche besessen.                                                                                                                                

                                                                                                         
 
                                                                                                                Sibylle Dickmann
                                                                                                               (aus: Spiegel 01/2008)