Ausverkauf von Ackerland – das neue Eldorado der Investoren

Ausverkauf von Ackerland – das neue Eldorado der Investoren

Landgrabbing sorgt in Afrika für viele Opfer. Täter bzw. Finanzgeber – und voraussichtliche Gewinner – sind häufig genug die Pensionskassen und Rentensparpläne aus dem Norden.

Ende Juni fand im Nobelhotel Victoria Park Plaza im Herzen Londons der Agriculture Investment Summit statt, zu dem sich die Crème de la crème der für die Verwaltung der grossen Investment- und Pensionsfonds zuständigen Finanzexperten einfand.

Das schnelle grosse Geld lockt

Angesichts der risikobehafteten Märkte versuchen die Fondsmanager, ihre Anlageportfolios zu diversifizieren und vermehrt in Ackerland und landwirtschaftliche Rohstoffe, oder Agrartreibstoffe, zu «investieren». Immer mehr Seminare widmen sich der Förderung der Investitionen in die Landwirtschaft und dem Landkauf, sei es in London, letztes Jahr im Hotel Kempinski in Genf, aber auch in New York, Singapur oder Addis-Abeba im kommenden Oktober. Mit Erfolg.

Auf der ständigen Suche nach neuen Möglichkeiten für das schnelle grosse Geld hat das Finanzengineering mit den landwirtschaftlichen Rohstoffen und dem Aufkauf von Ackerland überall auf der Welt neue Wege für viel versprechende Renditen gefunden.

Kleinbauern in Gefahr

Die Pensionsfonds – also unsere AHV, unsere Rentensparpläne – sind zu den grössten institutionellen «Investoren» in Ackerland weltweit geworden. Wir könnten uns also freuen, dass unsere Renten in solch guten Händen und unsere alten Tage gesichert sind.

Hier liegt aber ein kleines Problem: Was bisher «Land Grabbing» genannt wurde, nimmt in Afrika und andernorts apokalyptische Ausmasse an. Letztes Jahr begegnete ich in Dakar Dutzenden von Männern und Frauen, die von ihrem Land vertrieben wurden, das sie während Generationen bewirtschaftet hatten. Ihr Land wurde zerstört durch Landwirtschaftsmaschinen, die ihre Friedhöfe entweihen und auf ihrem Weg alles entwurzeln, um den Boden für das Agrarbusiness bereit zu machen.

«Wir wurden vertrieben wie Taugenichtse», erzählte ein dürrer alter Mann. «Wir haben keine Felder mehr, wir können nirgendwohin gehen. Wir müssen sie wieder haben, wovon sollen wir sonst leben?»

In ihren Augen bedeutet das, was heute geschieht, das Ende der bäuerlichen Familienbetriebe in Afrika, die 70 bis 80% der Bevölkerung beschäftigen. Einzige Alternative: Zu Not leidenden Landwirtschaftsarbeitern werden oder die Reihen der Mittellosen vergrössern, die ohne Arbeit am Rande der Stadt leben.

Bitterer Beigeschmack

Die Anlagen unserer Pensionskassenfonds erhalten so einen bitteren Beigeschmack. Deshalb haben Ende Juni auch mehrere Dutzend NGOs die Staaten aufgerufen, die Verantwortung dafür zu übernehmen, dass «dem Land Grabbing der Pensionsfonds und Finanzinstitute Einhalt geboten wird». Und die Bürgerinnen und Bürger forderten sie auf, ihr Recht auf Mitsprache bei den in ihrem Namen getätigten Anlagen wahrzunehmen.