Klimaerhitzung: wenn jeder Tropfen zählt

Arme Bauernfamilien in der Dritten Welt baden aus, was die Menschen in den Industriestaaten anrichten: die Klimakatastrophe. Sie müssen sich rasch anpassen an Dürre, höhere Temperaturen oder unregelmässige Regenfälle. Doch wie soll das gehen, wenn es schon jetzt hinten und vorne nicht reicht?

«Vor zwei Jahren mussten wir sogar den Mais und die Bohnen kaufen, weil das Land nichts mehr hergab. Es regnete einfach nicht, es war sehr heiss», erzählt Bäuerin Plácida Torrez Blandón, 53, die im Norden Nicaraguas von gut vier Hektar Land lebt. Die Dürre brachte nicht nur ihrer Familie, sondern der ganzen Region Hunger, Angst und Verzweiflung. Bilder aus jener Zeit zeigen ausgedörrte Böden und verendete Tiere. «Bis jetzt läuft es dieses Jahr besser», sagt die Selbstversorgerin vorsichtig – so richtig daran glauben mag sie noch nicht. 

Nicaragua ist besonders betroffen

Nach Angaben des Weltklimarats zählt das Land in Mittelamerika zu jenen Staaten, die besonders von der Klimakatastrophe betroffen sind. Bis heute, so die nationale Statistik, ist die Durchschnittstemperatur um 0,7 Grad Celsius gestiegen. Gegen höhere Temperaturen und Dürren, wie sie das Land heimsuchten, können die 4200 Bauern im Projektgebiet nichts ausrichten. Aber sie können sich gegen die Auswirkungen der Klimakatastrophe wappnen. In einem Land, in dem ein Grossteil der Bevöl­kerung von der Landwirtschaft lebt, ist das überlebenswichtig.  

«Wieder genug zu essen» 

«In den letzten Jahren haben wir deshalb Regenauffangbecken gebaut», erzählt Plácida Torrez Blandón. Mithilfe von SWISSAID haben die Bauernfamilien betoniert, das Wasser von den Dächern in die Becken geleitet und kleine Teiche ausgehoben. Mit dem Speicherwasser lassen sich in jenen sechs Monaten, in denen auch in normalen Zeiten kein Regen fällt, die grossen Gemüsegärten bewässern. In Zeiten der Dürre ist dies mehr als ein Tropfen auf den heissen Stein. Wenn die Bauern darüber hinaus noch nachhaltige, agroökologische Landbaumethoden anwenden und viele verschiedene Pflanzen setzen, «dann haben wir das ganze Jahr über genug zu essen und können manchmal sogar noch etwas auf dem Markt verkaufen». Neben der Klimaerwärmung trägt auch die Abholzung weiter Landstriche dazu bei, dass heute in der Region drei von fünf Quellen versiegt sind und aus Bächen immer häufiger Rinnsale werden. Die Bauernfamilien haben deshalb aufgeforstet. Mit einheimischen Obst- und Laubbäumen stellen sie sicher, dass die Quellgebiete nicht mehr austrocknen und die Böden feucht bleiben. «Die Temperaturen sind so erträglicher», weiss Bäuerin Plácida Torrez Blandón. Ein Hektar aufgeforsteter Jungwald absorbiert zudem über 7000 Tonnen CO2 pro Jahr.  

Die Politik zieht am gleichen Strick

Wenn es um die Aufforstung weiter Flächen geht, muss auch die Politik mitziehen. SWISSAID ist daher bei den fünf Bürgermeistern vorstellig geworden, in deren Gemeinden das Projekt umgesetzt wird. Mehrere haben sich bereit erklärt, die Gelder, die sie für Umweltanliegen überhaupt zur Verfügung haben, in die Aufforstung zu stecken. Die Politik mag für einzelne Bauernfamilien weit weg sein. Doch die Auswirkungen des Projekts sind für sie überlebenswichtig: «Entscheidend ist für uns, dass wir immer etwas anbauen können, genug Essen für die Familie haben und etwas verkaufen können.» 

Ihre Spende wirkt 

Mit einer Spende von 160 Franken kaufen Sie beispielsweise in Nicaragua 320 einheimische Baumsetzlinge, mit denen sich ein halber Hektar aufforsten lässt. Eine moderne Kochstelle, mit der weniger Holz fürs Kochen benötigt wird, kostet 120 Franken. 

 

Projektnummer: NC 2/15/11
Kosten: 209'272 Franken 
Laufzeit: 22 Monate 
Anzahl direkt Begünstigter: 4’533 Kleinbäuerinnen und Kleinbauern