Klimaerhitzung: jeder Tropfen zählt

Arme Bauernfamilien in der Dritten Welt baden aus, was die Menschen in den Industriestaaten anrichten: die Klimakatastrophe. Sie müssen sich rasch anpassen an Dürre, höhere Temperaturen oder unregelmässige Regenfälle. Doch wie soll das gehen, wenn es schon jetzt hinten und vorne nicht reicht?

«Es gab Jahre, in denen mussten wir sogar den Mais und die Bohnen kaufen, weil das Land nichts mehr hergibt. Es regnete einfach nicht, es war sehr heiss», erzählt Bäuerin Plácida Torrez Blandón, 54, die im Norden Nicaraguas von gut vier Hektar Land lebt. Die Dürre brachte nicht nur ihrer Familie, sondern der ganzen Region Hunger, Angst und Verzweiflung. Bilder aus jenen Zeiten zeigen ausgedörrte Böden und verendete Tiere. Anders in diesem Jahr: Übermässiger Regen in kurzen Zeitspannen stellte die Selbstversorger vor ganz neue Herausforderungen.

Nicaragua ist besonders betroffen

Nach Angaben des Weltklimarats zählt das Land in Mittelamerika zu jenen Staaten, die besonders von der Klimakatastrophe betroffen sind. Die für die Landwirtschaft entscheidende Regenzeit ist vermehrt kürzer und heftiger. Sintflutartige Regenfälle und schonungslose Dürren – die Extreme nehmen zu. Gegen höhere Temperaturen und Dürren, wie sie das Land heimsuchten, können die 4200 Bauern im Projektgebiet nichts ausrichten. Aber sie können sich gegen die Auswirkungen der Klimakatastrophe wappnen. In einem Land, in dem ein Grossteil der Bevöl¬kerung von der Landwirtschaft lebt, ist das überlebenswichtig.

Aufforsten macht die Lage erträglicher

Neben der Klimaerwärmung trägt auch die Abholzung weiter Landstriche dazu bei, dass heute in der Region drei von fünf Quellen versiegt sind und aus Bächen immer häufiger Rinnsale werden. Die Bauernfamilien haben deshalb aufgeforstet. Mit einheimischen Obst- und Laubbäumen stellen sie sicher, dass die Quellgebiete nicht mehr austrocknen und die Böden feucht bleiben. «Die Temperaturen sind so erträglicher», weiss Bäuerin Plácida Torrez Blandón. Ein Hektar aufgeforsteter Jungwald absorbiert zudem über 7000 Tonnen CO2 pro Jahr.

Lehrerinnen und Schüler sensibilisieren

Ein wichtiger Verbündeter im Kampf gegen die Klimaerhitzung ist das Bildungsministerium, um das Bewusstsein für den Klimawandel in den Schulen und Universitäten im Projektgebiet zu schärfen – das geschieht vor allem durch praktische Arbeiten von Schülerinnen und Schüler in agroökologischen Betrieben. Für die einzelnen Bauernfamilien sind die Auswirkungen des Projekts überlebenswichtig: «Entscheidend ist für uns, dass wir immer etwas anbauen können, genug Essen für die Familie haben und etwas verkaufen können.»