Wie Bäuerinnen dem Klimawandel trotzen oder ein Bankkonto auf vier Beinen

Kompostieren bringt’s, stellen Frauen im Süden des Tschad fest. Die Böden sind fruchtbarer, die Ernten ergiebiger. Das macht die Frauen stark und widerstandsfähiger – auch bei Klima-Katastrophen wie Überschwemmungen und Dürre. Denn auf Notfälle kann nur reagieren, wer über Ersparnisse verfügt.

Die Arbeit auf dem Feld ist hart, und damit ist’s nicht getan: Die Erdnüsse, die Alice Yadang anpflanzt, müssen von Hand geerntet und vor dem Verkauf geschält werden – eine Knochenarbeit. Die Frauen in ihrem Dorf helfen sich dabei gegenseitig aus, denn gemeinsam kommt man vorwärts, buchstäblich: Bei einer gemeinsamen Schäl-Aktion hatten zehn Frauen vor einigen Jahren die Idee, sich einer grösseren Vereinigung anzuschliessen, um so Zugang zu Bildung und Unterstützung zu sichern. Gesagt, getan – und seither geht’s aufwärts.

Alice Yadang besuchte einen Kompostierkurs und schwärmt geradezu von den positiven Auswirkungen: „Früher konnte ich auf einer halben Hektare fünf Säcke Mais ernten. Heute sind es dank Kompost sieben.“ Ihre Kinder helfen tüchtig mit, wenn dieser auf dem Acker ausgebracht werden muss. Gut auch, dass die 36jährige die Ernte nicht mehr auf dem Kopf vom Feld nach Hause oder auf den Markt schleppen muss, seit die  Vereinigung einen einfachen, von SWISSAID finanzierten Karren erhalten hat. Das erleichtert das Leben der Frauen enorm.

Zwei Mahlzeiten am Tag

Während der Sommermonate, wenn die Speicher leer und die Vorräte aufgebraucht sind, leiden viele Familien unter Hunger – ein Drittel der Bevölkerung im Sahelland Tschad ist chronisch unterernährt. „Früher gab es vor der nächsten Ernte täglich bloss eine kleine Mahlzeit, manchmal auch nichts“, erinnert sich Alice Yadang. Seitdem sie mit Hilfe eines Kleinkredits ein Geschäft eröffnen konnte, gehören solche Sorgen der Vergangenheit an. „Mein Mann, meine Kinder und ich essen das ganze Jahr über jeden Tag zwei Mahlzeiten“, sagt sie nicht ohne Stolz. Und die Kinder gehen zur Schule.

Auch Alice‘ Mann zählt mittlerweile zu den Unterstützern der Frauengruppe. Das war nicht immer so. Erst als er bemerkte, dass die Kompost-Schulung oder der Kredit der ganzen Familie zugute kommen,  liess er seine Frau gewähren und entschuldigte sich für die Vorwürfe und den Streit, den er regelmässig vom Zaun gerissen hatte, wenn sie die Versammlungen der Frauengruppe besuchte.

Ein Polster in Form von Ziegen

Gegen Unvorhergesehenes, Krankheiten, aber auch klimatische Unbill sind Alice und die anderen Frauen in der Gruppe heute besser gewappnet. Sie geniessen in der Gemeinschaft ein höheres Ansehen und treten selbstbewusster auf. Einige haben sogar ein kleines „Polster“ ansparen können, das es ihnen ermöglicht, auf Notsituationen zu reagieren. „Um den Arzt zu bezahlen oder das Schulgeld, kann ich heute eine Ziege verkaufen“, bringt eine der Frauen ihre Situation auf den Punkt.

 

 

  • Projektnummer: 2/14/06
  • Laufzeit: 12 Monate
  • Kosten: 97'900 Franken
  • Anzahl direkt Begünstigter: 2800 Frauen, 100 Männer