Wenn eine 22-jährige eine Organisation leitet

Fernando Lobo, Mitglied des SWISSAID-Vereins Genf, wollte es genau wissen und besuchte ein Projekt im westafrikanischen Guinea-Bissau. Was hat der Agronomie-Student erlebt, wie schätzt er die Arbeit ein?

«Als ich um 4 Uhr morgens aus dem Flughafen trat, lernte ich zuerst Braima kennen, den Fahrer des SWISSAIDBüros in Guinea-Bissau. Auf der Fahrt durch die verlassenen Strassen der Hauptstadt musste ich erschüttert feststellen, dass sich fast alle Gebäude entlang des Weges in einem desolaten Zustand befinden – sogar im Stadtzentrum. Im Rest des Landes sieht es noch schlimmer aus. Aber ich bekam keine hungernden Menschen zu Gesicht. Guinea-Bissau ist ein grünes Land, mit grossen Grundwasservorkommen, wo Pflanzen praktisch das ganze Jahr über wachsen können. Am nächsten Tag fuhren wir 40 Kilometer über Land nach Caio. Dort traf ich mich mit den wichtigsten Akteuren und einigen Begünstigten der Projekte, die von der Fédération Genevoise de Coopération* unterstützt werden.

Jung und erfolgreich

Die heutige Präsidentin des Dorfvereins von Caio heisst Hodrinirla Monteiro. Trotz ihrer erst 22 Jahre wurde Ocha, wie sie von allen genannt wird, von der grossen Mehrheit der Mitglieder gewählt. Sie kann stolz sein auf ihre Bilanz, denn sie hat es geschafft, dass das Projekt trotz massiver Kritik an der früheren Leitung weitergeführt wird. Wie die junge Präsidentin mir erklärte, gehören die Mitglieder des Vereins hauptsächlich drei Volksgruppen an: Mandyako, Pepel und Balante. In der ersten Projektetappe hatte die damalige Präsidentin keine Rücksicht auf diese Besonderheiten genommen, was zu internen Spannungen führte. So durften etwa Angehörige der Pepel auf dem lokalen Markt ihre Fische für höchstens 300 CFA-Francs verkaufen, während Vertreter anderer Ethnien höhere Preise verlangen konnten.

Verbesserungen für 300 Familien

Ocha sorgte für eine Vereinbarung mit den lokalen Behörden, die gewährleistet, dass heute sowohl im Verein als auch in der Region keine solchen Diskriminierungen mehr vorkommen. Dem Dachverband gehören neben den rund 300 Mitgliedern des Dorfvereins mittlerweile auch mehrere kleine lokale Gruppierungen diverser Branchen an: Handwerk, Obstbau, Fischerei und Imkerei. Den Mitgliedern dieses Verbandes wurde eine zwei Hektar grosse Parzelle mit Brunnen zur Verfügung gestellt. Das nächste Ziel von Ocha steht bereits fest: Der Verband soll eine Art Saatgutbank einrichten, um eine möglichst grosse Ernährungsautonomie zu erreichen. Der neue Dachverband spielt eine wesentliche Rolle in der Aufwertung der lokalen Vereine und verbessert die Arbeits- und Lebensbedingungen von rund 300 Bauernfamilien.»

* Die Fédération Genevoise de Coopération (FGC) ist ein Zusammenschluss vieler Genfer Vereinigungen (darunter der SWISSAID-Verein Genf), die gemeinsam die Entwicklungszusammenarbeit unterstützen.

  • Projektcode: GB 2/15/03
  • Kosten: 75'258.- Franken
  • Dauer: 2 Jahre
  • Anzahl Begünstigte: 385 Frauen und 287 Männer