Kartoffeln Klonen – eine alte Tradition in Ecuador

Althergebrachtes Know-how mit guten Zukunftsaussichten: Dank dem Klonen von Kartoffeln steigern ecuadorianische Bauern ihre Erträge. Mit einer Bildstrecke, die erklärt, wie das geht.

Im ecuadorianischen Hochland ist die Landwirtschaft die wichtigste Einnahmequelle für die Bevölkerung. Die dort angebauten lokalen Kartoffelsorten, Mais, Weizen und Bohnen bilden die Grundnahrungsmittel.

In der Provinz Bolivar, rund 250 Kilometer südlich von Quito, arbeitet der von SWISSAID angestellte ecuadorianische Agronom Henry Rojas. Er schult Bauern darin, Kartoffeln durch Klonen zu vermehren. Das traditionelle Verfahren fördert die Bodenfruchtbarkeit, macht die Pflanzen widerstandsfähiger gegen Parasiten sowie Krankheiten und verbessert die Qualität der Knolle. Insgesamt 70 Bäuerinnen und Bauern aus den drei Gemeinschaften Capito, Sauce Nahuán und Amapolas haben die Schulung bereits besucht.

Die Geheimnisse eines guten Rezepts

Die von Henry Rojas gezeigte Methode erinnert an ein Kochrezept: Man stelle zuerst aus natürlichen Zutaten – Humus, Sand, Kompost aus Hühner- oder Cuy-Mist (einer Meerschweinchenart), Kalk und Phosphorgestein – ein Substrat her. Alles mischen. In dieser fruchtbaren Mischung Schalen mit „Augen“ einer beliebigen Kartoffelsorte keimen lassen. Dann jeweils eine Handvoll dieser Erde in Plastiksäcke füllen und das Schalenstück mit dem Keim mit hineingeben. Die Säcke für 30 Tage in ein Treibhaus legen. Sobald die Keime etwa 15 cm gewachsen sind, sie zur Angewöhnung für zwei Wochen ins Freie legen und dann einpflanzen.

Eine Kartoffel und 20 Keime

Diese Methode hat verschiedene Vorteile. Eine Kartoffel kann bis zu 20 Triebe entwickeln. Nichts geht verloren, da die geschälte Knolle auch gegessen werden kann. Ausserdem liegt die Keimungsrate bei 100 Prozent; werden die Saatkartoffeln ins Feld gelegt, sind es nur 80 Prozent.

Mit dem gezeigten Verfahren kann die Wachstumsperiode um rund zwei Monate auf 120 Tage verkürzt werden. Verwenden die Landwirte normale Saatkartoffeln, muss mit 180 Tagen gerechnet werden. Eine gute Nachricht für die Bäuerinnen und Bauern, die oft zögern, auf biologische Anbaumethoden umzustellen, weil sie glauben, dass diese mehr Zeit benötigen.

Klonen ist günstiger

Klonen spart auch Geld. Es müssen keine Saatkartoffeln und Pestizide mehr gekauft werden. Damit sind die Ausgaben zehnmal geringer. Die von SWISSAID unterstützten Bäuerinnen haben die Rechnung schnell gemacht. Ausserdem schont der Verzicht auf Pestizide die Böden. Henry Rojas will nun sein Know-how an von SWISSAID unterstützten Bauernfamilien in anderen Dörfern der Region weitergeben.

 

 

  • Projektnummer: EC 2/15/03
  • Projektdauer: 24 Monate
  • Kosten: Fr. 249'120.-
  • Anzahl direkt Begünstigte: 2450 Männer, Frauen und Kinder