Karawane in Westafrika für das Recht auf Land, Wasser und Saatgut

Karawane in Westafrika für das Recht auf Land, Wasser und Saatgut

Vom 3. bis 20. März 2016 zog eine «Karawane für Land, Wasser und Saatgut» durch verschiedene Länder Westafrikas. Ihr Ziel: den Stimmen der Kleinbauern der Region Gehör verschaffen. Diese werden von Agrarpolitiken bedrängt, die die industrielle Landwirtschaft, das Agrobusiness, fördern und bäuerliche Familienbetriebe kaum unterstützen. Gerade diese aber – und vor allem die Frauen – sind es, die die Bevölkerung ernähren, und nicht die kilometerlangen Palmöl-, Cashew- oder Kautschukplantagen.

In dieser Karawane mobilisierten sich Vertreter der bäuerlichen Gemeinschaften aus ganz Westafrika. Sie machten Bevölkerung und nationale und regionale Behörden auf die Gefahren aufmerksam, die Tausenden von Kleinbauernfamilien durch das Land und Water Grabbing und die Vereinnahmung ihres Saatguts drohen. Agro-Multis, Fischereikonsortien, private Unternehmen und weitere «Allianzen» sind zum Ansturm auf den afrikanischen Kontinent aufgebrochen, um sich dessen natürlichen Ressourcen anzueignen.

SWISSAID unterstützt die Anliegen der Karawane

In Ouagadougou in Burkina Faso startete die Karawane mit Vertretern aus Togo, Benin, Niger und Nigeria. Darunter waren verschiedene Mitglieder der von SWISSAID unterstützten COPAGEN, der Koalition für den Schutz der genetischen Ressourcen Afrikas. Die Themen der einzelnen Etappen entsprechen in allen Punkten den Anliegen von SWISSAID.

Erfahrungsberichte, Debatten und Aktivitäten in Ouagadougou, in Hounde und in Bobo-Dioulasso befassten sich mit GVO, bäuerlichem Saatgut, biologischer Landwirtschaft und den Gesetzen, die in der Region eingeführt werden. Dann begab sich die Karawane auf den Weg nach Mali und erreichte über Sikasso, Bamako und Kayes am 14. März Tambacounda und am 16. März Dakar im Nachbarstaat Senegal. Dort übergab sie am 18. März der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS das «Grünbuch zur Konvergenz bei den Wasser-und Landrechten».

Gesetze im Interesse der Bauern, 70 Prozent der Bevölkerung

Das Grünbuch zieht Bilanz über die heutige Situation und berichtet über die Vereinnahmung der natürlichen Ressourcen in ganz Westafrika, die einigen wenigen nützt und der grossen Mehrheit schadet. Es enthält Vorschläge der rund 300 Bauernvereinigungen der Organisation «Convergence Globale des Luttes pour la Terre et l’Eau – Afrique de l’Ouest», die die Karawane koordiniert. Sie setzen sich ein für Ernährungssouveränität, eine kleinbäuerliche und biologische Landwirtschaft und das Recht der Fischer und Viehzüchter auf ihre Lebensgrundlagen – Meer, Flüsse und Land.

Die Teilnehmer der Karawane schlugen Alarm. Von den politisch Verantwortlichen forderten sie, Land-, Wasser- und Saatgutgesetze zu verabschieden, die den Interessen der Kleinbauernfamilien – 70% der Bevölkerung – und nicht den Interessen der Eliten, Investoren und multinationalen Konzerne dienen. Andernfalls werden weiterhin Tausende von Bäuerinnen und Bauern vom Land ihrer Vorfahren verjagt und ihrer Lebensgrundlage beraubt werden. Und wo sollen sie hingehen?

Keine Arbeit in den Städten für die landlosen Bauern

Denn die Situation ist nicht die gleiche wie zum Zeitpunkt der Industriellen Revolution in Europa, als immer mehr Bauern in die Stadt zogen, um dort zu arbeiten. Ganz anders in Afrika. Sollen sich alle diese Bauern ohne Land zu Hungerlöhnen auf grossen Plantagen verdingen, wenn sie überhaupt dieses «Glück» haben? Und Industrienahrung aus aller Welt essen? Die Teilnehmer der Karawane wehren sich dagegen und skandierten deshalb bei jeder Etappe: «Unser Land, unser Leben».