Jugendliche gegen Diskriminierung und Intoleranz

Vor 66 Jahren wurde das Kastensystem in Indien offiziell abgeschafft, Mahatma Gandhi sei Dank. Dennoch entscheidet heute immer noch die Kastenzugehörigkeit über Heirat, Beruf, ja das Dasein schlechthin. Nun reissen Jugendliche soziale Schranken nieder.

Nach wie vor prägt im ländlichen Indien das Kastensystem die Gesellschaft und ist ausschlaggebend für Status und Ansehen jedes Einzelnen. Übergriffe, Ausgrenzung und Erniedrigung gegenüber Angehörigen der niederen Kasten sind üblich und werden toleriert. Frauen trifft das doppelt. Sie leiden zum einen unter der Herabwürdigung wegen ihrer Herkunft und zum anderen unter der generellen Geringschätzung, die die indische Gesellschaft Frauen und Mädchen entgegenbringt. Untere Kasten, wie die «Unberührbaren», müssen ausserhalb des Dorfes wohnen und dürfen nicht an sozialen oder politischen Aktivitäten teilnehmen. Eine Heirat über Kastengrenzen hinweg ist undenkbar. Üblicherweise haben sowohl Frauen und Männer als auch Jungen und Mädchen ausserhalb der Familie keinen Kontakt zueinander – von Freundschaften ganz zu schweigen.

Ein Dorf wie jedes andere? Nicht ganz

Auf den ersten Blick scheint Farhada im Bundesstaat Chattisgarh ein typisches indisches Dorf zu sein. Lehmhäuser mit Strohdächern und Wellblechtüren säumen die staubige Strasse. Die Bevölkerung setzt sich aus höheren, mittleren und unteren hinduistischen Kasten sowie Muslimen zusammen. Doch etwas ist hier anders: Cyda, eine Partnerorganisation von SWISSAID, begann vor zwei Jahren mit dem Aufbau einer Jugendgruppe. 86 Jugendliche, 40 davon Mädchen, taten sich hier zusammen, um einen Wandel herbeizuführen.

Am Anfang nahmen vor allem Knaben und Mädchen aus höheren Kasten teil. Über Diskussionen, Spiele, Lieder und Informationsveranstaltungen gelangten die Mitglieder zur Ansicht, dass ein Wandel im sozialen Miteinander nötig ist. Daraufhin überzeugten die Jugendlichen weitere Eltern davon, den Töchtern die Teilnahme an den Versammlungen zu erlauben. Die Gemeinschaften der tieferen Kasten und der Muslime brachten sie auf ihre Seite, indem sie von Haus zu Haus zogen und das Gespräch suchten.

Aber das war nur die halbe Miete. Zentral war, dass sie Schlüsselpersonen wie Lehrer und Dorfvorsteher auf ihre Seite bringen konnten. Dabei zeigten sich die Jugendlichen kreativ: Sie organisierten Strassentheater, Strassenspieleoder Umzüge zu Themen wie Gewalt und Ausgrenzung. Dies beeinflusste die öffentliche Meinung und die allgemeine Überzeugung wuchs, dass die Aktivitäten der Jugendlichen eine positive Wirkung haben.

Ein Fest für alle

Inzwischen ist es in Farhada gang und gäbe, dass sich die Jugendlichen gegenseitig zuhause besuchen und sogar gemeinsam essen. Und dass heute Muslime und «Unberührbare» an Festen und Gemeindeversammlungen teilnehmen dürfen, ist ein Novum in der ganzen Region. Die Motivation der Jugendgruppe, aber auch der Schlüsselpersonen, ist gross. Nun setzen sie ihre Arbeit in weiteren Dörfern in der Umgebung fort.

 

 

  • Projektcode: IN 2/13/08
  • Projektdauer: 24 Monate
  • Kosten: Fr. 74'947.-
  • Anzahl direkt Begünstigter: 1100 Jugendliche in 41 Dörfern