Jugendförderung: keinen Bock auf Game Over

Wie überall wollen auch die Jugendlichen in der kolumbianischen Karibikregion ihren Weg gehen und auf eigenen Beinen stehen. Doch die Perspektiven sind miserabel. SWISSAID unterstützt Berufseinsteiger – denn Forfait zu geben, ist keine Option.

Stolz posiert Elkin mit seiner Frau, seiner vierjährigen Tochter und den dreijährigen Zwillingsmädchen vor einem beträchtlichen Haufen frisch geernteter Ñame-Wurzeln. Beim 29-Jährigen läuft es derzeit rund. Auf den drei Hektaren Land wachsen Chili, Mais und Wurzelgemüse. Der Traum, seiner Familie ein Haus aus Holz zu bauen, rückt näher. «Ich war immer schon fleissig, habe viel gearbeitet und das Geld aus dem Verkauf meiner Ernte zur Seite gelegt», erzählt der Bauer. Doch bei allem Fleiss: Weil die wirtschaftliche Situation für Jugendliche in der kolumbianischen Gemeinde Colosó unglaublich schwierig ist, wäre Elkin ohne Unterstützung vermutlich nicht da, wo er heute ist. 

Sucre: eine der ärmsten Gegenden Kolumbiens 

Das Departement Sucre mit den Gemeinden San Antonio de Palmito und Colosó gehört zu den ärmsten Regionen Kolumbiens. Die Region litt in den letzten Jahrzehnten stark unter bewaffneten Konflikten und ist ein bekannter Umschlagplatz im internationalen Drogenhandel. Der Anteil Jugendlicher an der Gesamtbevölkerung ist überdurchschnittlich hoch, ihre Einkommensmöglichkeiten sind dagegen rar: 73 Prozent der 17- bis 29-Jährigen sind arbeitslos, nur 5 Prozent haben eine feste Stelle. Auch Ausbildungsplätze sind Mangelware. Viele Jugendliche schlagen sich als Strassenhändler oder Haushaltshilfen durch – von sozialer oder finanzieller Sicherheit keine Spur. Die Verlockung, sich einer kriminellen Bande anzuschliessen und mit illegalen Aktivitäten schnelles Geld zu machen, ist gross. 

Tatendrang und Wissensdurst 

Elkin aber wollte es auf legalem Weg schaffen. Bei der SWISSAID-Partnerorganisation rannte der damals 25-Jährige mit seinem Tatendrang offene Türen ein. Gerade hatte die Organisation begonnen, junge Unternehmer in der Region zu fördern. Elkin erhielt professionelle unternehmerische Beratung und mehrere Kredite zwischen 170 und 200 Franken. Dank Saatgut, einem Motor für den Bau einer Bewässerungsanlage und einem Wasserschlauch kann die Familie heute ihre Felder bewässern, im Wassertank Fische züchten und gute Ernten erzielen. Ein Beispiel, das mit einem weiteren Partner Schule machen sollte. Im Februar 2017 nahm SWISSAID deshalb die Zusammenarbeit mit der Organisation «Microempresas de Colombia» auf. 

Die Organisation setzt sich seit fast 20 Jahren in verschiedenen Regionen Kolumbiens für einkommensfördernde Projekte mit Jugendlichen und anderen Bevölkerungsgruppen ein – nun auch in der Karibikregion. Zusammen mit «Microempresas de Colombia» unterstützt SWISSAID 195 jugendliche Männer und Frauen je nach Fähigkeiten und Neigung als zukünftige Angestellte oder als selbstständig Erwerbstätige. 1000 Frauen, Männer und Kinder profitieren direkt oder indirekt von den geplanten Projektmassnahmen: 

  • 60 Jugendliche erfahren durch eine Berufsberatung, wo sie ihre Talente am besten einsetzen können.
  • SWISSAID hilft bei der Kontaktaufnahme mit potenziellen Arbeitgebern, bietet Coachings für das Schreiben einer Bewerbung und hilft mit Kommunikationstrainings bei der Vorbereitung für das Vorstellungsgespräch.
  • 100 Jugendliche können im Gespräch mit Arbeitscoaches herausfinden, ob sie das Zeug haben, ein eigenes Kleinstunternehmen zu führen.
  • In Workshops lernen sie, eigene Geschäftsideen zu entwickeln. 60 von ihnen erhalten Unterstützung bei der Formulierung eines Businessplanes.
  • 35 Jugendliche mit bereits bestehenden Kleinstunternehmen werden persönlich und fachlich begleitet, damit sie bald schwarze Zahlen schreiben können.
  • Neben rein berufsbezogenen Qualifikationen wird bei den jungen Berufseinsteigern auch grossen Wert auf soziale Kompetenzen, Persönlichkeitsentwicklung und die Stärkung des Selbstwertgefühls gelegt.
  • Junge Frauen werden speziell gefördert, weil sie beim Berufseinstieg beschränktere Möglichkeiten haben als die Männer.
  • Jugendliche werden für Gleichberechtigungsthemen sensibilisiert.
  • Die Jugendgruppen bringen sich politisch ein und fordern, dass Ideen für die Förderung ihrer unternehmerischen Aktivitäten im lokalen Entwicklungsplan aufgenommen werden.

Auch das Familienleben profitiert 

Dass die Jungen ihr eigenes Einkommen erwirtschaften können, ist zentral. Anderes ist im traditionellen Macho-Land aber mindestens ebenso wichtig. Elkin: «Ich habe viel Nützliches über Geschäftsführung und Buchhaltung gelernt, klar. Daneben habe ich mich als Person entwickelt und meine Rolle gefunden. Meine Frau und ich leben eine Beziehung auf Augenhöhe. Wir arbeiten beide auf dem Feld, schauen beide auf die Kinder und teilen uns das Geld auf. Das strenge Familienmodell unserer Eltern hat bei uns ausgedient.»

Ihre Spende wirkt 

Mit einer Spende von 125 Franken ermöglichen Sie beispielsweise in Kolumbien 30 jungen Erwachsenen den Besuch eines Workshops zu Finanzfragen. Insgesamt werden 5 Finanzateliers angeboten, die total 625 Franken kosten. 

Projektcode: KO 02/16/04
Begünstigte: 195 Jugendliche und ihre Familien (1000 Personen)
Kosten: 123'768 Franken
Dauer: 1,5 Jahre