Ein Rezept, das sich bewährt: Jugendförderung in Matagalpa

In der Jugend liegt die Zukunft: Dass junge Frauen und Männern in den verarmten Dörfern Nicaraguas eine Zukunft finden, ist SWISSAID ein besonderes Anliegen. Die Zusammenarbeit mit verschiedenen Jugendorganisationen läuft so gut, dass immer mehr Gemeinden mitmachen wollen.

Freddy Torrez steht auf seinem Feld, stützt sich einen Moment auf seiner Hacke ab. Unter seinen Gummistiefeln weiche, umgeharkte Erde, in die Freddy bald verschiedene Gemüsesamen stecken wird. Der junge Bauer ist gespannt auf die Ernte. Gemüseanbau ist für ihn ein Novum.

Jahrein, jahraus nur Mais und Bohnen

Bis vor kurzem wuchsen auf den Feldern von Freddy und seinen Nachbarn im Departement Matagalpa, Nicaragua, nur Mais und Bohnen. Das ganze Jahr durch ernährten sich die Familien fast ausschliesslich von Getreide mit Bohnenmus. Langeweile auf dem Teller und Mangelernährung waren normal. Was die Familien auf ihren maximal zwei Hektaren Land ernteten, reichte nicht, um alle satt zu machen, geschweige denn, um durch Verkauf etwas dazuzuverdienen. 40 Prozent der Menschen in Matagalpa leben von unter zwei US-Dollar am Tag, 10 Prozent haben noch weniger.

Fehlende Perspektiven, kaum Happy Ends

Die fehlenden Perspektiven und die hohe Arbeitslosigkeit treffen Jugendliche besonders hart. Sie haben kaum Möglichkeiten, ein eigenes Auskommen zu finden und sich vom Elternhaus zu lösen. Viele kratzen ihr Geld zusammen, um in den Städten oder im wohlhabenderen Nachbarland Costa Rica Arbeit auf dem Bau, in einer Fabrik oder als Haushaltshilfe zu finden. Doch Happy Ends sind selten.

Jugendorganisationen bewähren sich

SWISSAID arbeitet in Matagalpa deshalb mit Jugendorganisationen, um Menschen zwischen 15 und 28 Jahren zu helfen, in ihrer Heimat eine Existenz aufzubauen. 1200 Jugendliche wurden bisher erreicht. Gemeinsam können sich die Mitglieder in neuer Landwirtschaftstechnik weiterbilden, Stipendien beantragen oder einen Kleinkreditfonds aufbauen als Starthilfe für eigene Unternehmen. Die Jugendlichen organisieren sich selbständig, „Hilfe zur Selbsthilfe“ heisst das Prinzip.  290 junge Menschen – davon 75 Frauen – haben zum Beispiel in der letzten Projektphase einen Landwirtschafskurs besucht und ihr Wissen danach an Gleichaltrige weitergegeben. Ausserdem erhalten sie nach dem Abschluss faire Kredite für Tiere (z. B. für eine trächtige Kuh), Pflanzen, Maschinen (z. B. eine Zentrifuge für die Honigproduktion) Werkzeuge oder Baumaterial.

Gespräche ohne Tabus

In Dörfern, in denen es weder Jugendtreffs noch weiterführende Schulen gibt, haben die Organisationen eine grosse soziale Bedeutung. Hier können sich die Jugendlichen austauschen über Themen, die ihnen unter den Nägeln brennen. Häusliche Gewalt, Teenagerschwangerschaften, Alkoholmissbrauch, HIV, fehlende politische Mitsprache – die Sorgen, die die jungen Erwachsenen umtreiben, sind heftig. In moderierten Gesprächen können die Jugendlichen über ihre Probleme sprechen: Tabus gibt es keine. In den Gesprächsrunden werden gleichzeitig auch gesundheitliches und rechtliches Basiswissen vermittelt und die Jungen so in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt.

Acht bis zehn Jahre Begleitung

SWISSAID begleitet die Jugendorganisationen in der Regel acht bis zehn Jahre lang, bis sie auf eigenen Füssen stehen. Es versteht sich von selbst, dass es an Nachwuchs nicht fehlt. Oft entstehen Tochterorganisationen in benachbarten Dörfern, die am Anfang wieder von SWISSAID unterstützt werden. Erfolgreiche Jugendarbeit – dafür ist SWISSAID in der Region inzwischen richtig berühmt.

Klicken Sie sich durch unsere Bildergalerie, um konkret zu erfahren, wie SWISSAID den Jugendlichen in Matagalpa unter die Arme greift.

 

 

  • Projektnummer: NC 02/15/03
  • Laufzeit: 19 mois
  • Kosten: Fr. 142'992 
  • Anzahl direkt Begünstigte: 1200 junge Frauen und Männer in 47 Dörfern