7 Fragen an Nationalrat Martin Naef

Zusammen mit drei anderen Parlamentariern reiste der Jurist und SP-Nationalrat Martin Naef Anfang Februar auf eigene Kosten für eine Woche nach Guinea-Bissau, wo er mehrere SWISSAID-Projekte besichtigte. Kaum zurück, stand er uns Rede und Antwort.

Herr Naef, Willkommen zurück aus Guinea-Bissau! Was ist der bleibendste Eindruck Ihrer Reise?

Martin Naef: Da sind ganz viele Eindrücke in meinem Kopf: Die fünf Tage in Guinea-Bissau waren so intensiv, als hätte ich drei Wochen im Land verbracht. Auf der einen Seite ist Guinea-Bissau ein sehr armes Land, die UNO führt es in ihrer Liste als zehntärmsten Staat. Im Westen hört man wenig aus Bissau, das Land scheint ein bisschen in Vergessenheit geraten zu sein. Andererseits ist es ein reiches Land: Der Boden ist fruchtbar und die Bevölkerung interessiert, offen, herzlich und engagiert für die Zukunft ihres Landes. 

Marin Naef - bei der Anprobe: auf so einer Reise ist der Parlamentarier ein hoher Gast und wird reich beschenktWorin bestehen die grössten Herausforderungen?

Am 16. März werden in Guinea-Bissau ein neuer Präsident und ein neues Parlament gewählt, die die Übergangsregierung nach dem Militärputsch von 2012 ablösen sollen. Politische Stabilität ist unglaublich wichtig für die Entwicklung des Landes. Das sieht auch die Bevölkerung so: Als wir Bäuerinnen gefragt haben, ob sie an die Urne gehen, haben alle mit grösster Selbstverständlichkeit „Ja“ gesagt. Die Bevölkerung ist sehr informiert und interessiert, Resignation haben wir keine gespürt.

Sie haben einige SWISSAID-Projekte besuchen können. Was ist ins Auge gesprungen?

Die Menschen in Guinea-Bissau identifizieren sich sehr stark mit ihrer Arbeit. Sie betrachten die Projekte als ihre eigenen, denken mit, engagieren sich und sind unglaublich stolz auf die Erfolge. Natürlich ist auch der Einsatz der lokalen SWISSAID-Leute grossartig. Eindrücklich fand ich beispielsweise unseren Besuch in einem Projekt, das sich dem ökologischen Anbau von Süsskartoffeln widmet. An alles ist gedacht worden: Die Knolle wurde als Lebensmittel bekannt gemacht, der Konsum im Land konnte gesteigert werden, ebenso die Produktivität der Felder und die Qualität der Feldfrüchte. Die Frauen haben die Vermarktung der Süsskartoffeln verbessert und können nun ein höheres Einkommen erzielen. Dies bewirkt mehr Sicherheit für das Überleben der ganzen Familie: Schulbesuche, Gesundheitskosten, Ausgaben für Kleider oder Transporte scheitern nun nicht mehr an fehlendem Bargeld. 

Wie zeigte sich das?

SWISSAID ist im ganzen Land bekannt. Jeder kennt jeden – und jeder kennt SWISSAID. Nur wenige Hilfsorganisationen arbeiten in diesem kleinen Staat. Wir wurden überall sehr herzlich und respektvoll empfangen. Wo wir hinkamen, haben die Menschen die besten Speisen aufgetragen und uns reich beschenkt. Das war mir manchmal gar nicht recht. Die grosse Freude über unseren Besuch und über unser Interesse an ihrem Leben war überwältigend.

Martin Naef im FeldSie sind Mitglied der aussenpolitischen Kommission (APK) des Nationalrats. Welchen Einfluss hatte diese Reise auf Ihre Einstellung zur Nord-Süd-Arbeit der Schweiz?

Die Feldbesuche zeigten mir, dass mit relativ geringem Mitteleinsatz sehr viel möglich ist. Mit eigenen Augen zu sehen, wie sehr sich das Leben der begünstigten Frauen, Männer und Kinder verbessert hat, machte deutlich, wie wichtig die Entwicklungszusammenarbeit der Schweiz ist. 

SWISSAID bezieht einen guten Teil ihres Budgets von der DEZA, also letztlich aus Steuergeldern. Sind diese bei SWISSAID gut aufgehoben?

Ja, auf jeden Fall! Nachhaltige Entwicklungsprojekte wie diejenigen von SWISSAID, wo es um mehr geht, als unser Gewissen zu entlasten, Geld in den Süden zu schaufeln und dort versickern zu lassen, bewirken wirklich viel. Meiner Ansicht nach könnte die Schweiz als eines der reichsten Länder der Welt ruhig mehr Geld dafür in die Hände nehmen als die realen 0,45 Prozent des Bruttonationaleinkommens.

Haben Sie Souvenirs nach Hause gebracht?

Viele Erinnerungen an interessante Begegnungen, schöne Landschaften und die grosse Leistungsbereitschaft der Menschen in den besuchten Projekten. Aber sonst…? Für Shopping war keine Zeit (lacht, überlegt). Oder nur wenig: Am letzten Tag waren wir in Bissau auf einem Markt, da habe ich ein tolles afrikanisches Tuch gekauft. Das kann ich sogar zum Anzug tragen und damit etwas Farbe in den Nationalrat bringen.

18. Februar 2014