„Fair-Food“ und „Ernährungssouveränität“: Unterschriften für eine ökologischere Landwirtschaft für alle

„Fair-Food“ und „Ernährungssouveränität“:  Unterschriften für eine ökologischere Landwirtschaft für alle

Zwei Initiativen – „Fair-Food“ und „Ernährungssouveränität“ – widmen sich den SWISSAID-Anliegen einer sozialen und ökologisch nachhaltigen Landwirtschaft, in der Schweiz wie auch im Ausland. SWISSAID unterstützt beide.

Die zwei komplexen Vorlagen, die von der Grünen Partei sowie der Bauerngewerkschaft Uniterre lanciert wurden, zeigen Wege zu einem fairen Lebensmittelhandel und einer ökologischeren Landwirtschaft auf. Sie führen zudem zu einer umfassenden Diskussion zur Zukunft unserer Landwirtschaft sowie der internationalen Dimension unseres Konsumverhaltens. Daher unterstützt SWISSAID beide Initiativen.

Fair-Food-Initiative der Grünen

Die Initiative „Fair-Food“ der Grünen Partei verlangt, dass die Lebensmittel aus einer naturnahen, umwelt- und tierfreundlichen Landwirtschaft stammen und unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellt werden. Daher fordert sie vom Bund die Einführung von klaren ökologischen und sozialen Standards für importierte Lebensmittel.

Was „Fair-Food“ konkret bedeutet

Die in der Schweiz geltenden Produktionsstandards sollen künftig auch für importierte Lebensmittel gelten. Damit werden die naturnahe und umweltschonende kleinbäuerliche Landwirtschaft sowie der faire Handel gestärkt, denn

50 Prozent der in der Schweiz konsumierten Lebensmittel müssen importiert werden, rund 20 Prozent davon aus Entwicklungsländern. Über Zolltarife sollen Lebensmittel aus nachhaltiger Produktion und fairem Handel gegenüber der Massenware aus Plantagen und Tierfabriken einen Marktvorteil erhalten. So wird über den Schweizer Konsum eine sozialere und umweltfreundliche Produktion im Ausland gefördert. SWISSAID fordert bei einer Umsetzung der Initiative allerdings, dass die Bäuerinnen und Bauern in Entwicklungsländern bei der Umstellung auf nachhaltige Produktionsmethoden unterstützt werden.

Die Unterschriftensammlung läuft noch bis Ende November 2015. Laut Angaben des Parteisekretariats ist die Initiative auf gutem Weg, die benötigten 100‘000 gültigen Unterschriften zu erreichen.

«Für Ernährungssouveränität – die Landwirtschaft betrifft uns alle» von Uniterre

Die Initiative unter dem Titel «Für Ernährungssouveränität – die Landwirtschaft betrifft uns alle» stammt von der schweizerischen Bauerngewerkschaft Uniterre. Inhaltlich verlangt die Initiantin die konsequente Anwendung des Ernährungssouveränität-Prinzips auf die Schweiz, so wie es die Bewegung „La Via Campesina“ in Lateinamerika versteht.

Was die „Ernährungssouveränität-Initiative“ konkret bedeutet

Der Titel „Für Ernährungssouveränität – die Landwirtschaft betrifft uns alle“ ist Programm. Die Initianten fordern eine umfassende Neuorientierung der Schweizer Landwirtschaftspolitik, hin zu einem verstärkten Fokus auf eine (agro-)ökologische, soziale und vielfältigen Produktion in der Schweiz. Diese ist auf die Bedürfnisse der Schweizer Bevölkerung und Produzenten ausgerichtet. Der internationale Handel ist dabei Teil des Systems, aber nicht dessen primäres Ziel. Exportsubventionen entfallen daher, weil diese zu Preisdumping in anderen Ländern führen. Für importierte Lebensmittel sind Zölle und Importquoten zum Schutz der lokalen, ökologischen und sozialen Produktion vorgesehen. Zusätzlich werden auch die problematischen Futtermittelimporte in die Regulierung eingeschlossen. Direkthandel, regionale Vermarktungsstrukturen sowie bäuerliche Organisationen sollen vom Bund gefördert werden. Klar ist auch die Haltung zu genetisch veränderten Pflanzen und Tieren: Diese sollen verboten werden.

Die Unterschriftensammlung läuft bis März 2016, Stand Anfang September: 60‘000 Unterschriften.