Hunger nach Zukunft

Verarmte Kleinbauern im indischen Maharashtra haben Anrecht auf staatliche Unterstützung, scheitern aber oft am bürokratischen Aufwand. SWISSAID hilft ihnen bei den Formalitäten und mit handfestem Wissen, dank dem sie Ernte und Produktion verbessern und den Geldbeutel schonen können.

Fruchtbare Böden, eine Ernte, die satt macht und ein berechenbares Klima mit genügend Regen: Den Bäuerinnen und Bauern im indischen Bundesstaat Maharashtra ist all das nicht gegeben. In den Distrikten Wardha und Yavatmal kämpfen sie gegen ausgedehnte Dürreperioden, starke und unregelmässige Regenfälle, teure Produktionskosten und immer kleinere Ernten. Menschen sterben in Folge der Dürren und der Überschwemmungen – noch mehr aber beenden ihr Leben selbst, weil sie für sich keine Zukunft mehr sehen.

Kleine Schritte statt grosser Wunder

Keine Frage: Die Misere der Landbevölkerung ist riesig und es ist ihnen aus eigener Kraft nicht möglich, Wetter und Klima günstig zu stimmen. Mit der Einführung von ökologischen Landwirtschaftsmethoden, mit Gemüsegärten sowie mit sorgfältiger Diversifizierung ihres Saatgutes versuchen die Bauernfamilien, sich besser gegen die klimatischen Unwägbarkeiten zu wappnen. Damit erreichen sie gleich mehrere Ziele. Sie können ihren Menüplan anreichern, ihre Produktionskosten senken und bei Ernteüberschüssen ein paar Rupien auf dem Markt dazuverdienen.

Die Umstellung braucht Mut

Doch nach jahrelanger konventioneller Landwirtschaft mit viel Dünger und Pestiziden braucht die Umstellung Mut. Die Partnerorganisation von SWISSAID unterstützt 1765 Umsteigewillige mit agroökologischem Wissen und handwerklicher Unterstützung, führt mit ihnen Anbau-Tests auf Versuchsfeldern durch und ermutigt die Dorfbewohner, gemeinsam für ihre Ziele zu arbeiten.

Der 5-Punkte-Plan auf dem Feld

Agroökologische Methoden, die Boden, Klima und Portemonnaie schonen – das tönt gut, aber noch wenig handfest. In Wardha und Yavatmal haben 1029 Bäuerinnen und Bauern diese fünf konkreten Praktiken übernommen:

  • Sie verwenden einheimisches, natürlich verbessertes Saatgut
  • Sie säen auf ihren Feldern und in ihren Gärten verschiedene Sorten neben- und nacheinander an (Mischkulturen)
  • Sie nutzen biologische Pestizide gegen Schädlinge und Krankheiten
  • Sie pflegen ihre Böden, z.B. mit Kompost
  • Sie schützen ihre Gewässer

Dieses Fünferpaket vollbringt keine Wunder, liefert im Kleinen aber handfeste Resultate: So konnte fast die Hälfte der Bauern ihre Produktionskosten senken.

Widerstandsfähiges Saatgut ist Überlebenshilfe

Dass die Landwirtschaftskurse Wirkung zeigen, wird auch sonst deutlich. 145 Bauerngruppen sind entstanden, die sich regelmässig über Anbaumethoden austauschen und gegenseitig motivieren. Auch die Saatgutproduzentengruppe erlebt gerade einen kleinen Ansturm: Sie ist innert Jahresfrist von 489 auf 537 Mitglieder gewachsen. Fünf Saatgutbanken sind etabliert und lagern Saatgut von diversen Pflanzen ein. Weil in Wardha und Yavatmal fast nur noch Soja und Baumwolle, aber wenig Essbares angebaut wird, bedeutet die Verfügbarkeit von lokalem, dem Klima angepasstem Saatgut pure Überlebenshilfe.

Den Staat in die Pflicht nehmen

Auch die Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen kommt ins Rollen. 22 Familien arbeiten mit dem Departement für Landentwicklung zusammen und bringen dabei ihren Standpunkt ein. Für die häufig sehr ungebildeten und schlecht vernetzten Bauern ist es schwierig, die ihnen zustehende staatliche Hilfe tatsächlich zu erhalten. Durch die Zusammenarbeit mit SWISSAID konnten aber einige Hürden genommen werden. 31 Familien haben Hilfe von der öffentlichen Hand beim Bau von Bewässerungssystemen erhalten und 236 Familien bekamen staatliche Unterstützung für den Erwerb von Saatgut, Lichtfallen für gefrässige Insekten, Pflanzenschutzgeräten und Dieselpumpen.

Mit solchen Innovationen und Anschaffungen steigt die Chance, dass sich die harte Arbeit für die Bauern wieder lohnt. Und dass auf ihren Feldern genug wächst, um nicht nur der Hoffnung, sondern auch der Familie Nahrung zu geben.

 

 

  • Projektcode: IN 02/14/13
  • Projektdauer: 2 Jahre
  • Projektkosten: 192‘150 Franken
  • Anzahl Begünstigte: 1765 Bäuerinnen und Bauern