Honig liegt in der Luft

In der Gegend von Bula im westafrikanischen Guinea-Bissau hat jeder Vierte nicht genug zu essen. Dabei ist das Land fruchtbar und gerade die Frauen leisten auf den Äckern Grosseinsätze. Die Honigproduktion verschafft da einen hoch willkommenen Zustupf.

Honig liegt in der LuftDas warme Wachs verströmt sein Aroma auf der ganzen Waldlichtung und es liegt Honig in der Luft, als Imker Francisco Dembe den umstehenden Frauen und Männern erklärt, wie sie auch ohne viel Geld selber einen Bienenstock bauen können. „Der lässt sich sogar aus einem alten Rohr herstellen“, sagt er, „vorausgesetzt man sorgt in seinem Innern dafür, dass die Bienen sich wohlfühlen.“ In einem hohen Metallbehälter neben ihm brodelt das Wachs, das in Wabenform gepresst den emsigen Tierchen ein Zuhause bietet.

Viele Teilnehmer haben bereits mehrere Kurse besucht und folgen interessiert den Ausführungen. Im nahen Wald, wo zwischen den grün-verstaubten Blättern der Bäume rosa Blümchen hervorlugen, besichtigen sie einen leeren Bienenstock, in dem ein paar wenige Waben und ein paar Tropfen Honig auf neue Bewohner warten. „Die Bienen kommen gerne, weil ein Teil ihrer Arbeit schon gemacht ist“, erklärt Francisco Dembe das Vorgehen. Einmal angelockt, produzieren die Wildbienen weitere Waben, bis alle 80 000 Tierchen im Stock ein Plätzchen finden.

Seit Kindsbeinen auf Honig aus

Francisco Dembe ist der Leiter der Honig-Vereinigung Apirca, die in der Region Bula nördlich der Hauptstadt Guinea-Bissaus 230 Mitglieder zählt. Dembe, 56, gilt als einer der besten Kenner der Materie. Schon als Kind half er jeweils seinem Vater, der mit dem Verkauf von Wildbienen-Honig das karge Einkommen aufstockte. Bei dieser archaischen Honigproduktion wurden jedoch der Stock und häufig das Bienenvolk zerstört. Für den Honig-Jäger war die Arbeit zudem nicht ungefährlich, sind die Afrikanischen Wildbienen doch sehr aggressiv. Die Zeiten haben sich geändert: „Der moderne Imker hegt und pflegt seine Bienen über Jahre“, erklärt Francisco Dembe.

Im Hauptberuf unterrichtet er an der lokalen Sekundarschule, „aber davon kann man nicht leben“. Das trifft auch für die hart arbeitenden Frauen in der Runde zu, bei denen Schmalhans regiert, obwohl sie mit Hacken und Spaten so viel wie möglich aus ihren Äckern rausholen. „Wenn die Cashew-Ernte gut war, dann reicht es knapp“, sagt Ignacia Caetano, 45. Die Witwe hat drei eigene Kinder und eine Handvoll weitere zu versorgen. Ein Zustupf durch den Verkauf von Honig ist hoch willkommen, „um Essen, Medikamente und Schulbücher zu kaufen“.

Faszinierende Tierchen

Drei Jahre lang besuchte Ignacia die Kurse von Apirca, bevor sie sich an die Männerdomäne Imkerei wagte und das Geld für die Wabenrahmen zweier Bienenstöcke gespart hatte. Die erste Honigproduktion steht noch aus, aber sie ist sich jetzt schon sicher: „Die Imkerei ist viel weniger anstrengend als der Gemüseanbau.“ Sie ist guten Mutes, denn die Preise für Honig haben sich in den letzten Jahren fast verdoppelt und die Nachfrage ist ungebrochen, zumal es Apirca gelungen ist, die Qualität deutlich zu steigern.

Die Mutigsten stülpen sich einen der wenigen Imkeranzüge von Apirca über und leihen Gummistiefel aus. So eingekleidet verschwinden Caetano und Dembe zum Anschauungsunterricht erneut im Wald. Wie sagte Ignacia Caetano doch vorgängig: „Mir gefällt die Arbeit mit den Bienen auch deshalb besonders gut, weil die Produktion interessant ist und die Bienen direkt vor der eigenen Tür leben.“

 

 

  • Projektnummer: GB 2/12/10
  • Kosten: Fr. 78'840.-
  • Projektdauer: 27 Monate
  • Anzahl Begünstigte: 2000 Männer und Frauen
  • Das Projekt umfasst neben der Honigproduktion auch zahlreiche Schulungen im Bereich ökologische Landwirtschaft.