Hochzeit: mehr Sein, weniger Schein

Katrin und Pietro Lot haben sich für ihr Hochzeitsfest etwas Spezielles einfallen lassen. Sie wurden reich beschenkt – und haben auch ihren Gästen ein ganz besonderes Präsent gemacht.

Bei Sonnenuntergang gaben sich Katrin und Pietro Lot an einem Strand in Naxos das Ja-Wort und ihr Eheversprechen und drückten so ihre Verbundenheit und Liebe zueinander aus. Die Eheringe steckten dabei in einer sandgefüllten Muschel. Ein griechischer Fotograf hielt den Moment fest, der nur den beiden gehören sollte. Das war am 11. Juli des letzten Jahres. 

Einen Monat später heirateten die beiden ganz offiziell auf dem Zivilstandsamt in Baden AG. Darauf folgte ein rauschendes Fest im Schützenhaus. „Wir mögen diese anonymen Grossanlässe nicht, lieber haben wir ein familiäres Fest“,  erzählt Katrin Lot. Bis in die Morgenstunden feierte das Brautpaar mit den über 30 Gästen.

Holz-Geissli verzieren die italienischen Mandeln

Als besondere Überraschung hatte sich das Paar etwas ganz Spezielles ausgedacht: Alle Gäste und die Koch-Equipe erhielten eine SWISSAID-Ziegen-Urkunde. „Für eine Hochzeit gibt man so viel Geld aus, da wollten wir auch etwas Sinnvolles tun und jemanden beschenken, der nicht so viel zu feiern hat im Leben wie wir“, sagt Katrin Lot. Liebevoll verzierte sie die italienischen Mandeln mit einem „Holz-Geissli“ und verteilte sie zusammen mit ihrem Mann an die Hochzeitsgäste, nachdem die Hochzeitstorte angeschnitten worden war.

Die Lots spendeten mit den Urkunden armen Bauernfamilien Ziegen. „Die Gäste fanden das allesamt eine sehr schöne Idee“, erzählt Katrin Lot, auch wenn sie einigen erklären musste, worum es bei den Patenschaften geht. Die nachhaltige Hilfe zur Selbsthilfe hat das Paar überzeugt. Und die „Geissli“ sahen sie auch in Griechenland überall, einmal okkupierten diese gar den einzigen schattigen Platz am Strand, den das Paar eine Stunde lang gesucht hatte. 

Zweite Generation mit besonderen „Gschpüri“

Woher kommt das Engagement der Sachbearbeiterin und des Aussendienstmitarbeiters für Menschen in der Dritten Welt? Beide sind weit gereist. Wichtiger in Katrin Lots Einschätzung ist jedoch ihre Herkunft. Pietros Vater stammt ursprünglich aus Italien, Katrins Eltern aus Tschechien. „Das hat uns sensibilisiert für die feinen Nuancen und Ungerechtigkeiten“, ist Katrin Lot überzeugt. „Als Migranten-Kind bekommt man ein Gefühl für Menschen, denen es weniger gut geht.“ Und was liegt den beiden ganz besonders am Herzen? „Mehr Sein, weniger Schein“, sagt Katrin Lot sofort.

Erholung suchen die beiden draussen in der Natur. In ihrer Wohnung in Baden finden sich viele Kiesel von Spaziergängen an Flussufern, die Pietro Lot heimbringt. Akkurat liegen die Steinchen neben- und aufeinander. Daneben erinnern grosse und kleine Muscheln an Tauchgänge in aller Welt und lange Spaziergänge am Meer. Darunter auch die grosse Muschel vom Strand von Naxos.