Heu und Hirsebier

Von A wie Alphabetisierung bis Z wie Ziegenzucht umfassen Hilfsprojekte ganz unterschiedliche Arbeitsschritte. Innovative Bäuerinnen suchen sich Marktnischen, etwa in der Produktion von Treibmittel für das beliebte Hirsebier.

Man nehme einen Sack Reis, suche ein schattiges Plätzchen für die Saat, lege eine Plastikfolie auf den Boden, streue die Körner aus und giesse kräftig Wasser auf. Dann heisst es warten, giessen und weiter warten, bis die Saat nach wenigen Tagen hellgrün leuchtet. Nun muss das satte Grün in die Sonne zügeln. Unter den wachsamen Augen von Bäuerinnen wie Elizabeth Lundi verdorrt das Kraut dann innert weniger Stunden zu Heu – Heu, das es jedoch in sich hat: Es dient als Treibmittel für das leichte Hirsebier, das die Frauen in der Umgebung herstellen. Elizabeth Lundi verkauft das gebüschelte Heu regelmässig auf dem Wochenmarkt von Kélo, einer Kleinstadt in der Nähe ihres Dorfes.

Eine gute Geschäftsfrau

Dabei ist «Nähe» relativ. Die 13 Kilometer bis nach Kélo geht sie zu Fuss. Noch im Morgengrauen läuft sie los, das wertvolle «Gestrüpp» auf dem Kopf. Auf dem Markt erwirtschaftet sie damit immerhin einen Gewinn von rund 25 Prozent des Materialpreises.

Daneben vertreibt sie auch anderes: Die schweren Erdnüsschen lässt sie mit dem Ochsengespann zum Markt karren. «Aber das kostet», rechnet sie vor: «Pro Sack 1000 Francs CFA» oder etwa zwei Franken. Und rechnen muss sie können. Denn bei dem geringen Aufpreis, den sie für die gestampften Erdnüsschen verlangen kann, fällt jeder Centime ins Gewicht.

Es ist ein klarer Fall. Elizabeth Lundi, die 40-jährige Bäuerin, kann geschäften. Das Rüstzeug dazu hat sie sich in einem Kurs der Partnerorganisation von SWISSAID geholt, und das Übrige haben Einsatz und ein Riecher für Angebot und Nachfrage getan.

Für alle hats etwas

Das Projekt, das in 39 Dörfern der Gegend durchgeführt wird, umfasst ganz unterschiedliche Massnahmen. So laufen im einen Dorf Alphabetisierungs- und Landwirtschaftskurse, in einem anderen Weiler wiederum werden alleinstehende Witwen in der Ziegenzucht geschult, damit sie ein eigenständiges Leben führen können. Die Bedürftigen bestimmen mit, welche Massnahmen den Weg aus Hunger und Armut weisen.

So profitierte Elizabeth Lundi nicht nur von diversen Kursen, sondern auch von einem Startkredit. Das Darlehen von 10 000 Francs CFA oder rund 20 Franken bezahlte sie innert zweier Monate zurück. Nun profitieren andere Mitglieder ihrer Frauengruppe vom Kreditfonds, über den die Frauen regelmässig gemeinsam beraten. Die Rückzahlquote beträgt nahezu 100 Prozent. Kein Wunder, sprechen die Mitglieder von einem Erfolg.

Dieser ist auch dringend nötig. Denn das Leben ist teuer. Elizabeth Lundi hat dank ihrem Geschäft das Schulgeld der Nichten und Neffen sowie die Hefte bezahlen können. Ein Arztbesuch lag ebenfalls drin und auch Seife. Ganz zu schweigen von einer Schuluniform, die allein 5000 Francs CFA oder zehn Franken kostet.

 

 

 

  • Projektnummer: 02/15/05
  • Kosten: Fr. 127 700.-
  • Laufzeit: 12 Monate
  • Anzahl Begünstigte: 6100