Hand anlegen, damit das Wasser fliesst

Wenn Kinder ständig unter Durchfall leiden und Frauen zwei Stunden täglich Wasser schleppen – dann muss etwas gehen. SWISSAID unterstützt mithilfe der Genfer Wasser- und Energiewerke (SIG) daher den Aufbau einer Wasserversorgung in den Anden Ecuadors.

«Mein Dreijähriger hat ständig Durchfall», erzählt Diana Marilú Chicaiza. Die 27-jährige Mutter lebt mit ihren Geschwistern bei der Mutter und kämpft sich als Alleinerziehende durch den harten Alltag. «Das Wasser ist schmutzig», weiss sie, «weil wir es am Fluss fassen müssen, wo auch die Tiere ihre Notdurft verrichten.» Das macht ihr Sorgen.

Auch für Cristina Tite hat das Wohl der Familie oberste Priorität. «Manchmal erbrechen meine Kinder sogar wegen dem Wasser», sagt sie. «Da fühle ich mich wirklich schlecht.» Das Wasser schöpft sie aus einem Tümpel beim Haus der Schwiegermutter und schleppt es täglich heim – zwanzig Minuten zu Fuss für einen Zehnliter-Eimer mit Wasser. Allein dafür, dass genug Wasser für die Hygiene, zum Kochen, Abwaschen und Kleiderwaschen zur Verfügung steht, muss sie täglich zwei Stunden aufwenden. Dabei beklagt sich Christina Tite nicht einmal so sehr über die Plackerei. «Manchmal muss ich die beiden Drei- und Vierjährigen alleine zuhause lassen», sagt sie. Die Angst, dass ihnen etwas zustösst, begleitet sie.

Raubbau an der Wasserquelle

In ihrem Dorf El Sucre in den Anden Ecuadors leben 800 Familien oder 4000 Menschen, die mit ähnlichen Schwierigkeiten kämpfen. Zusammen mit den „Services Industriels de Genève“ (SIG) finanziert SWISSAID darum ein Projekt, bei dem neben der langfristigen Wasserversorgung auch der Schutz der Quellen im Zentrum steht. Denn vielerorts droht das Wasser zu versiegen. Wegen des Bevölkerungsdrucks haben die Bauern in den vergangenen Jahren ihre Tiere immer weiter oben weiden lassen und neue Felder angelegt. Dabei litt vor allem der so genannte Páramo, eine Art Grasdecke auf 3000 Meter Höhe, die die Wasservorkommen der Region speichert.

Ohne Quelle kein Wasser

Das ganze Dorf muss umdenken. Glücklicherweise ist vielen Familien klar, dass eine andere Art Landwirtschaft nötig ist. SWISSAID schult die Bäuerinnen und Bauern daher in den Methoden  des agroökologischen Landbaus, was auch den Páramo schützt.

Doch im Vordergrund steht die Wasserversorgung, die rund 43'000 Franken kostet und die von allen Familien sehnlichst erwartet wird. Das ganze Dorf legt dafür Hand an: Die Gräben für die fünf Kilometer langen Leitungen, Quellfassungen und Reservoire heben die Männer und Frauen mit Spaten und Pickel eigenhändig aus. «Ausserdem haben wir zehn Prozent der gesamten Summe aufgebracht», sagt Diana Marilú Chicaiza. «Wir sind bereit!»

Der Ball liegt nun beim Wasseringenieur von SWISSAID, der die Anlage mit den Leuten en détail plant, damit das Material angliefert, Röhren verlegt und Fundamente betoniert werden können.