Afrika wird durch GVO-Befürworter instrumentalisiert

Afrika wird durch GVO-Befürworter instrumentalisiert

Am Dienstag wurden die Ergebnisse des Nationalen Forschungsprogramms 59 – NFP 59 – «Nutzen und Risiken der Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen» publiziert. Damit ist die Frage einer Verlängerung des Moratoriums für die Kommerzialisierung der GVO in der Schweiz wieder in den Vordergrund getreten. Das in einer Volksabstimmung im November 2005 für fünf Jahre beschlossene Moratorium war vom Parlament um drei Jahre verlängert worden und läuft am 28. November 2013 ab. Es hat jedoch grosse Chancen auf eine weitere Verlängerung.

GVO-Moratorium gibt's auch in Afrika

Die Schweiz steht mit ihrem Moratorium für GVO nicht allein da. Auch im westafrikanischen Benin haben die Behörden den Willen der Bürger respektiert. Nach einem Workshop mit Vertretern von Bauern und Wissenschaftlern, der als Schlussfolgerung ein fünfjähriges Moratorium empfahl, wurde ein solches eingeführt und anschliessend bis 2013 verlängert. «In all diesen Jahren übten Syngenta, Monsanto und andere ständigen Druck auf die Behörden Benins aus», sagt Jeanne Zoundjihekpon, Dozentin für Genetik an der Universität Cotonou in Benin, mit der ich vor Kurzem gesprochen habe. Wenn man diese Druckversuche im Einzelnen hört, versteht man besser, weshalb bestimmte afrikanische Länder trotz des Widerstands der Bauerngemeinschaften schliesslich «nachgegeben» haben. In Burkina Faso beispielsweise wurde den Bauern der Anbau von Gentech-Baumwolle «von oben» angeordnet.

In der Debatte über GVO wird Afrika regelmässig instrumentalisiert. Auch im Interview mit Paul Collier im Migros-Magazin vom 13. August – rund zehn Tage vor der Publikation der NFP59-Ergebnisse. Der Titel «Afrika Gentech zu verbieten ist kriminell» gibt den Ton an. Auf drei Seiten reiht der Professor für Ökonomie der Universität Oxford Scheinbeweise aneinander, entwickelt scheinbar stichhaltige Argumente, zieht aber falsche Schlussfolgerungen. So weist er darauf hin, dass die Produktivität in der afrikanischen Landwirtschaft stagniert und Hunger droht. Dies ist eine Realität. Was aber gänzlich unerwähnt bleibt ist die Tatsache, dass diese Staaten im Rahmen der Strukturanpassungsprogramme des IWF und der Weltbank gezwungen wurden, auf jegliche Subventionen und Hilfe für ihre eigene Landwirtschaft zu verzichten. Gleichzeitig aber wurden die Stadtbewohner mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen zu Tiefpreisen überschwemmt – den Überschüssen der umfassend subventionierten Landwirte der westlichen Länder, die so die lokalen Produzenten überrollten.

Was schlägt Paul Collier zur Lösung des Problems vor? Den massiven Einsatz von Gentech-Pflanzen und die industrielle Landwirtschaft. Er erklärt aber nicht, was mit den 70% der Bevölkerung geschieht, die von der Landwirtschaft leben. Die biologische Landwirtschaft bezeichnet er als «Romantik», obwohl verschiedene anerkannte Experten die Meinung vertreten, dass die Herausforderungen der Zukunft nur mit dieser Art von Landwirtschaft bewältigt werden können. Und als Krönung: Dass die afrikanischen Länder immer noch grosse Vorbehalte gegenüber GVO haben, liege daran, dass «Afrika intellektuell immer noch sehr stark von Europa beeinflusst ist, und Europa verbietet Gentech-Nahrung». QED. Und die Europäer seien rückständig aus «nacktem Protektionismus, gewürzt mit einer Prise Antiamerikanismus». Solche subtilen Analysen verschlagen einem die Sprache, vor allem wenn sie von jemandem stammen, der als brillant gilt und überall auf der Welt auf Konferenzen spricht.

Nein!

Aber auch die Stimmen afrikanischer Wissenschaftler sind zu hören, die sich weigern, von den Agrochemie-Konzernen instrumentalisiert zu werden, die die landwirtschaftlichen Forschungszentren in ihre Hand gebracht haben. Für Assétou Samaké, Professorin für Biologie und Genetik an der Universität von Bamako in Mali oder ihre Kollegin Jeanne Zoundjihekpon, Dozentin für Genetik an der Universität Cotonou in Benin, ist das Gentech-Saatgut, das diese Unternehmen um jeden Preis entwickeln und aufdrängen wollen, in erster Linie ein Betrug und keinesfalls das, was die afrikanischen Bauern brauchen.