Guinea-Bissau sagt Nein zur Mädchenbeschneidung!

Mädchenbeschneidung steht in Guinea-Bissau seit 2011 unter Strafe – auch dank SWISSAID. Sogar die religiösen Führer ächten die Praxis heute. Doch vom Gesetz bis zur Umsetzung in den Dörfern ist es noch immer ein weiter Weg – umso schöner die Freude über die grossen und kleinen Erfolge.

 
Dezember 2014, ein weiterer Meilenstein im Kampf gegen die Genitalverstümmelung ist erreicht: Erstmals wurden in einem Prozess nicht nur die Beschneiderinnen, sondern auch die Eltern angeklagt – und schuldig gesprochen. Maria Domingas Gomes, Präsidentin der SWISSAID-Partnerorganisation „Senim Mira Nassequê“, bewegt dieser Beschluss besonders.
 
Seit rund zwanzig Jahren kämpft sie dafür, dass die Genitalverstümmelung in Guinea-Bissau verboten wird und sich die Mütter und die Beschneiderinnen von dieser grausamen Praxis abwenden. Sie hat mit ihrer Organisation massgeblich zum Meinungsumschwung im Land beigetragen. Ganz wichtig dabei: „Die Organisatoren von so genannten Fanados, den Beschneidungsritualen, erhalten vom Innenministerium keine Bewilligungen mehr“, so die Frauenrechtlerin. In Bissau, der Hauptstadt des westafrikanischen Kleinstaats, ist das blutige Ritual nicht zuletzt deswegen weitgehend Vergangenheit.

Das Gesetz funktioniert. Reicht es aus?

2011 hat die Regierung die Mädchenbeschneidung unter Strafe gestellt, 2013 hat sie nachgedoppelt und den 6. Februar zum nationalen Tag der «Nulltoleranz» für die Mädchenbeschneidung erklärt. Doch trotz dieser Errungenschaften besteht die Gefahr, dass die Rituale heimlich durchgeführt werden. Und hier engagieren sich Maria und ihre Mitstreiterinnen. Zusammen mit ehemaligen Beschneiderinnen besuchen sie Dörfer im ganzen Land und warnen die Frauen und die traditionellen Dorfchefs vor den traumatischen und manchmal tödlichen Folgen dieser heute illegalen Praxis. Diese Sensibilisierungsarbeit ist nötig, weil die Tradition „die Mädchen lehrt, dass sie ohne Beschneidung in ihrer Gemeinschaft nicht als rein betrachtet werden können“, sagt Maria.

Eine Fatwa gegen die Mädchenbeschneidung

„Senim Mira Nassequê“ beschloss daher, ihre Sensibilisierungsarbeit auf die Imame des Landes auszuweiten. Eine Strategie, die sich auszahlte. Zum „Nulltoleranz-Tag“ 2013 nahmen 130 religiöse Führer eine Fatwa (ein religiöses Rechtsurteil) an, das die Mädchenbeschneidung verurteilt. Noch vor weniger als fünf Jahren wäre das undenkbar gewesen. 
 
Und dennoch werden in Guinea-Bissau jedes Jahr immer noch fast 30‘000 Mädchen Opfer solcher Verstümmelungen. Zusammen mit der Organisation RENLUV (Réseau National de Lutte contre la Violence) kämpft „Senim Mira Nassequê“ hartnäckig weiter, um die radikalsten religiösen Führer dazu zu bewegen, sich gegen die Beschneidung auszusprechen und um Polizei und Medienleute für das Thema zu sensibilisieren. Immer wieder werden ihnen Steine in den Weg gelegt, so etwa 2013, als eine Petition für den Erhalt der Beschneidungen lanciert wurde.
 

Neue Einkommen für die Beschneiderinnen

Die Organisationen tun alles dafür, die Beschneiderinnen dazu zu bringen, ihren Beruf aufzugeben, indem sie ihnen alternative Einkommensmöglichkeiten anbieten. Wer weiss, dass eine Familie rund 60 Schweizer Franken für eine Beschneidung ausgibt und an einem Fanado bis zu 50 Mädchen teilnehmen, kann abschätzen, wie gross die Überzeugungsarbeit von Maria und ihren Mitstreiterinnen sein muss.

 

 

Projektnummer: 2/14/04
Dauer: 12 Monate
Kosten: 99‘366 Franken
Direkt Begünstigte: 20 Ex-Beschneiderinnen, 50 Journalisten, 40 religiöse Führer und 40 Polizisten
Indirekt Begünstigte: 266'000 Frauen und Mädchen