Gibt es sauberes Gold?

Gibt es sauberes Gold?

Gold schürfen ohne die Menschenrechte zu verletzen oder die Umwelt zu zerstören – ist das möglich? Wollen dies die Konsumentinnen überhaupt? Um solche Fragen drehte sich Ende 2015 eine hitzige Diskussion im Genfer Palais Eynard. Einfache Antworten gibt es nicht.

Die Diskussion im voll besetzten Saal des Palais Eynard in Genf war von brennender Aktualität: Es ging um die Zertifizierung von Gold und die Rolle der Schweiz im Goldsektor. Denn unser Land raffiniert mehr als die Hälfte des weltweit geförderten Goldes. 

„Weniger schmutziges Gold“

Zu Beginn der Veranstaltung wurde ein Auszug aus dem Film «Dirty Gold War» gezeigt. Dessen Autor, der Schweizer Regisseur Daniel Schweizer, nahm kein Blatt vor den Mund: „Es gibt kein sauberes Gold“, sagte er. „Aber man kann von weniger schmutzigem Gold sprechen.“ Er forderte, dass die betroffenen Gemeinschaften dringend ins Zentrum der Diskussion gerückt werden, „denn ihr Leiden ist zu gross, als dass man die Welt des Luxus’ einfach ihren gewohnten Gang gehen lassen könnte“.

Keine Nachfrage nach sauberem Gold?

Charles Chaussepied, als Mitglied des «Responsible Jewellery Council» ein Vertreter des Juweliersektors, spürt vorläufig aber kaum Druck von Seiten der Konsumenten, die «sauberes Gold» wünschten. Vielmehr seien es die Schweizer Unternehmen, die «mustergültig» sein wollten. «Es gibt keine Nachfrage nach sauberem Gold.»

Florie Marion, Sprecherin des Fairtrade-Labels Max Havelaar, das seit einem Jahr zertifiziertes Gold anbietet, ist anderer Meinung: "Wir spüren eine wachsende Sensibilisierung der Konsumenten, auch an Hochzeitsmessen."

Sauberes Gold aus Peru geht weg wie warme Semmeln

Nach Angaben von Philippe Fornier, Sekretär der "Swiss Better Gold Association", findet zertifiziertes Gold kleingewerblicher Mineure aus Peru "in der Schweiz sofort Abnehmer zu besseren Konditionen". 

Und René Longet von der "Fédération genevoise de coopération" (FGC), welche die Veranstaltung – wie die von Stadträtin Sandrine Salerno vertretene Stadt Genf – unterstützte, wünscht, dass "Genf nicht nur Hauptstadt der technischen Zertifizierung, sondern auch Hauptstadt der ethischen Zertifizierung von Gold wird". Die Debatte steht erst am Anfang.