Glencore: SWISSAID fordert Steuer-Transparenz

 Glencore: SWISSAID fordert Steuer-Transparenz

Bern / Lausanne, 5. März 2012. Der Zuger Rohstoffkonzern Glencore verbucht 2011 trotz Milliardenprofit einen Steuergewinn von 264 Millionen Dollar - dank "Reorganisationseffekten". Wie und wo dieses Steuerplus zustande kam, ist schwer nachzuvollziehen. SWISSAID fordert dringend eine transparentere Rechnungslegung, die bei Rohstoffkonzernen zwingend nach Ländern gegliedert erfolgen muss.

186 Milliarden Dollar setzte der Rohstoffkonzern Glencore im vergangenen Jahr um, 28 Prozent mehr als im Vorjahr. Und auch der Reingewinn erhöhte sich um sieben Prozent auf 4,06 Milliarden Dollar. Trotzdem zahlten die Zuger 2011 unter dem Strich keine Steuern, sondern verbuchten gar einen Gewinn von 264 Millionen Dollar. Dieser kam laut Jahresbericht durch "Reorganisation im Zusammenhang mit dem Börsengang" zustande. Wie und wo genau, bleibt aber unklar.
Glencores Steuerbelastung liegt in einem "normalen" Jahr bei rund zehn Prozent des Gewinns. Schon dies ist beschämend wenig, denn viele Länder, in denen der Konzern Bodenschätze ausbeutet, gehören zu den ärmsten der Welt und sind auf Steuereinnahmen dringend angewiesen. Dank verschachtelter Unternehmensstruktur gelingt es dem Konzern indessen, Gewinne an jene Orte zu verschieben, wo die Steuerbelastung tief ist.

So steht Glencore unter Verdacht, die Gewinne seiner Kupfermine Mopani im südostafrikanischen Staat Sambia ausser Landes transferiert zu haben, um dort der Besteuerung zu entgehen. Die Kommission für Internationale Entwicklung des britischen Parlaments will deshalb Glencore-CEO Ivan Glasenberg zu einer Befragung vorladen. Auch im aktuellen Jahresbericht sucht man indessen vergebens nach Zahlen, wie viel an Steuern (und anderen Abgaben) Glencore in Sambia und in anderen Ländern genau bezahlt hat.

Swissaid fordert deshalb mehr Transparenz in der Rechnungslegung von Rohstoff-konzernen. Diese muss nach Ländern gegliedert erfolgen, damit Strategien zur Steuer-vermeidung entdeckt werden können. In den USA und in der EU sind entsprechende gesetzliche Regeln kurz vor der Verabschiedung. Auch die Rohstoff-Drehscheibe Schweiz muss solche Vorschriften erlassen, fordert Swissaid, das sich seit langem für die gerechtere Verteilung der Profite aus dem Rohstoff-Geschäft einsetzt.

Für weitere Informationen: Lorenz Kummer, Swissaid, Tel. 031-350-5351; 079 307-2592; l.kummer@swissaid.ch

Swissaid ist in neun Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas in der Entwicklungs-zusammenarbeit tätig und nimmt auch in der Schweiz auf entwicklungspolitische Fragen Einfluss. Das Hilfswerk beschäftigt weltweit 124 Mitarbeitende, davon 29 in der Schweiz. Swissaid finanziert sich durch Spenden und wird von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) mitgetragen.