Gleichberechtigung im Tschad: Frauen machen Boden gut

Im Tschad haben Frauen in jeder Hinsicht den Kürzeren gezogen. Sie werden häufig Opfer von Gewalt, haben keine Rechte, keine Bildung und kein Geld, obwohl sie mehr schuften als die Männer. Doch wo viele Probleme sind, gibt es auch viele Lösungsansätze.

Wer im Tschad als Mädchen zur Welt kommt, hat Pech gehabt. Vielen Mädchen werden die Genitalien verstümmelt, später werden sie gegen ihren Willen verheiratet und häufig vom eigenen Ehemann geschlagen. Viel zu jung werden sie Mütter. Ihre Babys zählen zu den Kindern mit der weltweit höchsten Sterblichkeit. Die Frauen sind durch und durch abhängig von ihren Männern, besitzen kein Geld und kaum Rechte. 75 Prozent von ihnen können nicht lesen und schreiben.

Den Frauen fällt nichts in den Schoss

Guéra, Tandjile und Logone Occicdental gehören zu den ärmsten Regionen des Tschads. Fast alle Familien leben von der Landwirtschaft. Weil der Boden schlecht und die Trockenperiode lang ist, sind ihre Ernten mager. Am meisten leiden die Frauen, die trotz täglichem Wasserschleppen und harter Feldarbeit jeden Tag damit ringen, genug Essbares aufzutreiben. Ihr Drang, etwas zu verändern, ist riesig.

SWISSAID weiss: Wenn es gelingt, die Frauen mit mehr Möglichkeiten und Rechten auszustatten, profitieren auch die Kinder und letztlich die ganze Gemeinschaft. Wer Lesen und Schreiben kann, hat auf dem Weg zu mehr Selbstbestimmung bereits einen riesigen Schritt getan. Als einen unserer ersten Schritte eröffneten wir deshalb in Guéra, Tandjile und Logone Occicdental neun Alphabetisierungszentren, in denen 900 Frauen Lesen, Schreiben und Rechnen lernen. Damit steigen ihre Chancen, wirtschaftlich erfolgreicher, selbständiger und unabhängiger zu werden, auf einen Schlag an.

An Tabus rütteln

Unermüdliches Krampfen – das kennen die Frauen seit Kindsbeinen an. Neu ist, dass sich die Bäuerinnen mit Unterstützung unserer lokalen Partnerorganisation CELIAF in Frauengruppen zusammenschliessen, ihre Entscheide demokratisch fällen und sich nicht den Mund verbieten lassen. In Treffen mit Dorfchefs kritisieren sie Traditionen, die Frauen den Besitz von Land praktisch verunmöglichen, und fordern gerechten Zugang zum Boden.

Auch das Tabu-Thema der häuslichen Gewalt bringen wir zur Sprache. 1800 Männer, Frauen und Kinder erfahren durch Kampagnen von der katastrophalen Situation vieler Frauen. Nur wenn die tägliche Gewalt im Radio, in den Zeitungen, auf dem Markt und dem Dorfplatz debattiert und öffentlich verurteilt wird, kann ein Umdenken in der Bevölkerung eine Chance haben.

Ernte und Motivation steigen

Die Hauptarbeit der Frauen liegt weiterhin auf ihren Äckern. Bei Treffen mit Landwirtschaftsfachleuten erfahren sie, warum immer mehr von ihrem Land zur Wüste wird und wie sie ihre Gemüsefelder mit sorgfältiger Bewässerung und selbst hergestelltem Kompost fruchtbar machen können. Parallel zur Ernte steigt auch die Motivation, eine grössere Fläche zu bewirtschaften und so Grundnahrungsmittel wie Sorghum, Reis und Erdnüsse selber anzubauen.

SWISSAID finanziert für 18 Frauengruppen landwirtschaftliche Schulungen sowie Werkzeug wie Schaufeln, Hacken und Giesskannen und unterstützt sie in der Verarbeitung von landwirtschaftlichen Produkten. Erdnussöl, Bier aus Getreide oder Seifen und Butter aus den ölhaltigen Früchten des Sheanussbaums finden auf dem Markt guten Absatz. Indem die Frauen ihre Produkte gemeinsam und ohne Zwischenhändler verkaufen, gewinnen sie Marktmacht und Geld.

Pumpen und Karren erleichtern die Arbeit

Der Erfolg bleibt auch den Männern nicht verborgen. Die handbetriebenen Pumpen für die einfachere Bewässerung ihrer Felder und die Karren, die sie als Gruppe erhalten haben, lösen schön einmal einen bewundernden Blick aus. Beides verringert nicht nur die Arbeitslast, sondern erhöht zugleich die Effizienz und das Ansehen der Frauen. Damit das möglichst lange so bleibt, lernen 90 Bäuerinnen den Gebrauch und die Wartung der landwirtschaftlichen Geräte. Ein Männerjob eigentlich? Darauf pfeifen die Frauen.

Projektnummer: TS 02/17/03

Dauer: 1 Jahr

Anzahl Begünstigte: 6100 Frauen, Männer, Kinder

Projektkosten: 137'720 Franken