Gentechnologie + Patente

Teures und patentiertes Hightech-Saatgut, speziell gentechnisch verändertes, hilft armen Bauernfamilien nicht weiter, denn es muss jährlich neu zugekauft werden. Zudem werden die Rechte der Bauern und Bäuerinnen beschränkt, so dass sie nicht mehr frei über ihr Saatgut entscheiden können. Bis heute haben sich die Versprechen der Gentechnologie nicht erfüllt, im Gegenteil: Die sozialen und ökologischen Probleme wurden verschärft. Nachhaltige Hungerbekämpfung sieht anders aus.

Gentech und Patente: Vehikel zur feindlichen Übernahme der Ressourcen

Weltweit tätige Agrochemie-Konzerne wollen sich einen möglichst grossen Teil des „Ernährungskuchens“ sichern, denn die Nahrungsmittelproduktion ist ein einträgliches Geschäft. Doch ohne Kontrolle über das Saatgut (durch geistige Eigentumsrechte) funktioniert das Business-Modell nur beschränkt. Daher steht in Entwicklungsländern die Einführung und Durchsetzung von Patent- und Sortenschutzregelungen auf Saatgut weit oben auf der politischen Agenda. Gentech-Saatgut ist dafür perfekt geeignet, denn es kann als „Erfindung“ problemlos patentiert und damit streng geschützt werden. Die Einführung von gentechnisch verändertem Saatgut (GVO) bringt ausserdem in der Regel eine umfassende Regulierung des Saatgutsektors eines Landes mit sich. So wird den Bäuerinnen und Bauern die Kontrolle über ihr wichtigstes Kapital, dem Saatgut, schleichend entzogen.

Biopiraterie

Die heutige Vielfalt der Pflanzensorten und Nutztierrassen haben wir der jahrhundertelangen Selektionsarbeit von Bauerngemeinschaften und Hirtenvölkern zu verdanken. Diese gemeinschaftlich erbrachte und traditionell geteilte Vielfalt wird nun ohne Entschädigung dieser Gemeinschaften privatisiert (Biopiraterie). SWISSAID wehrt sich gegen diese Praktiken und setzt sich für die Unabhängigkeit und die Rechte der Bauern und -bäuerinnen weltweit ein.

Wie sieht es bei uns aus?

Seit Kurzem sind in Europa konventionell gezüchtete Pflanzen- und Tierarten patentierbar und unterstehen einem absoluten Schutz. Damit wurde bei uns bereits die nächste Stufe der Privatisierung von natürlichen Ressourcen erreicht: So wird die Freiheit der Bauern eingeschränkt, und Züchtern kann der Zugang zum Ausgangsmaterial für eine Weiterzucht verwehrt werden (eine bisher unangetasteten Voraussetzung für eine vielfältige, innovative Zucht). Als Gründungsmitglied der europäischen Koalition „No Patents on Seeds“ wehren wir uns dagegen.

Sinnvolle Forschung und Landwirtschaft

Wir fordern, dass die öffentlichen Forschungsgelder viel stärker in die Weiterentwicklung einer ökologischer Landwirtschaft und Saatgutzüchtung fliessen und nicht den Agro-Grosskonzernen und ihrem Geschäftsmodell zuarbeiten. Im Rahmen der Schweizer Allianz Gentechfrei (SAG) setzen wir uns im Vorstand aktiv dafür ein, dass die Schweizer Landwirtschaft gentechfrei bleibt.

20 Jahre leere Gentech-Versprechen

Trotz gewaltigen Investitionen in GVO-Pflanzen zeitigen diese eine verheerende ökologische und soziale Bilanz. Unserer Partnerorganisationen in Entwicklungsländern berichten und zahlreiche Studien belegen, dass Kleinbäuerinnen und -bauern keinerlei Vorteile durch den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen haben. GVO-Saatgut trug in den vergangenn 20 Jahren nicht dazu bei, die ländliche Armut zu reduzieren. Und entgegen den Versprechen steigt der Pestizideinsatz nach kurzer Zeit höher als vor der Einführung von GVO, mit verheerenden Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit. Bis heute wird zudem durch gentechnisch veränderte Pflanzen kaum Nahrung für Menschen produziert. Die auf dem Markt erhältliche GVO-Saaten sind so genannte „cash crops“: Soja, Mais und Raps für Agrotreibstoffe, Baumwolle für Textilien und Soja für Tiernahrung. So wird Hunger nicht bekämpft. Im Gegenteil, Gentechnologie verschärft die bestehende Probleme und Konkurrenz um Ressourcen und bedroht die Existenz einer kleinbäuerlichen und ökologischen Landwirtschaft, die bis heute den Grossteil der Nahrungsmittel produziert.

Macht die neue Gentechnologie alles besser?

SWISSAID ist auch gegenüber der neuesten Gentech-Propaganda, basierend auf neuen Techniken und alten Argumenten, sehr skeptisch. Denn die sozialen und wirtschaftlichen Probleme der Gentechnologie, die durch die Patentierung von Tier- und Pflanzensorten, durch Biopiraterie, Monopolisierung und Industrialisierung der Landwirtschaft entstehen, bleiben bestehen.

Es gibt bessere Lösungen

Wir sind überzeugt, dass der Weg in eine nachhaltigere Landwirtschaft in der Agroökologie liegt. Gerade in der Vielfalt des traditionellen Saatguts schlummert ein immenses Potenzial für die Ertragssteigerung und grössere Widerstandsfähigkeit gegenüber zunehmenden Wetter- und Klimaturbulenzen. Der Tausch von Saatgut zwischen Bauern und Bäuerinnen sowie dessen freie Verwendung und Weiterentwicklung sind Erfolgsstrategien, die die Widerstandsfähigkeit und die Unabhängigkeit der Bäuerinnen und Bauern erhöhen. Dafür setzen wir uns ein.