Gemüse dank Schwein

Neuerungen brauchen Zeit – und Pioniere, die vorangehen. In Myanmar (Burma) hat eine erste Staffel «Pilotbäuerinnen» gezeigt, dass die Umstellung auf agroökologische Anbaumethoden gelingen kann.

In den vergangenen zwei Jahren intensivierte das SWISSAID-Büro in Myanmar die Tätigkeit im Bereich ökologische Landwirtschaft. Wir lancierten verschiedene wegweisende Projekte und kreierten Lernforen, die Bäuerinnen und Partnerorganisationen erlaubten, Erfahrung und Wissen auszutauschen.

Wie beispielsweise die Bäuerin Ma Win Chit aus Kyang Shai Kyin, einem Dorf in Shan State im Osten des Landes. Sie ist eine von rund 20 Teilnehmerinnen, die im Rahmen eines Pilotprojekts zeigten, dass mit einer besseren Schweinehaltung ausreichend Dünger für den hauseigenen Gemüsegarten produziert werden kann.

Mit ihrem Ersparten und dank dem Darlehen einer Frauen-Kreditgruppe konnte Ma Win Chit eine kleine Schweinezucht aufbauen. Ursprünglich ging es darum, so ein Einkommen zu erwirtschaften. Im Hinblick auf die Umstellung auf den agoökologischen Anbau (siehe Seiten 18/19) unterstützte SWISSAID Ende 2014 die Pilotbäuerinnen dann darin, einen Stall nach der Doktschin-Methode zu konstruieren.

Bei dieser Methode wird die Stallgrube mit Stroh, Kuhmist und Reisspreu belegt. Darauf macht das Schwein sein Geschäft. Nach einem halben Jahr wird der organische Boden des Stalls als Kompost im Gemüsegarten ausgebracht. Der Vorteil dieser Methode besteht darin, dass dank Stroh und Reisspreu mehr organischer Dünger zur Verfügung steht. Bäuerinnen, die keinen Reis pflanzen, müssen auf anderes organisches Material zurückgreifen.

Ma Win Chits Gemüsegarten ist knapp 1400 m2 gross. Der Mist ihrer zwei Schweine reicht, um den Gemüsegarten zu düngen; sie benötigt keinen zusätzlichen chemischen Dünger oder Kuhmist. In ihrem Garten wachsen eine Vielzahl von Gemüsesorten, etwa Bohnen, Chili, Bananen, Zuckerrohr, Kürbis, Avocado, Ginger und schnittlauchartiger Knoblauch.

Makellose Bio-Auberginen für den Markt

Stolz ist sie vor allem auf ihre Auberginen, die sie auch für den Verkauf anpflanzt. «Ihnen sieht man nicht an, dass sie biologisch produziert werden», sagt sie. Die Früchte seien ebenso schön und gross wie jene, bei denen chemischer Dünger zum Einsatz komme. Ma Win Chit konnte den Ertrag mit dem Schweine-Dünger halten. Zudem stellte sie fest, dass dank dem Doktschin-Kompost der Boden feucht bleibt.

Am Beispiel von Ma Win Chit lässt sich zeigen, dass sich Schweinezucht und Gemüsegarten bestens ergänzen und einen vielversprechenden agroökologischen Ansatz darstellen. Nachdem nun die Pilotprojekte ausgewertet sind, geht es darum, die verschiedenen agroökologischen Ansätze zu systematisieren und zu verbreiten. Ma Win Chit könnte dabei in der partizipativen Forschung und der von Bäuerinnen geführten landwirtschaftlichen Beratung eine wichtige Funktion einnehmen.

 

 

  • Projektnummer: MY 2/15/05
  • Kosten: Fr. 115'548.- 
  • Laufzeit: 34 Monate
  • Begünstigte: 2000 Kleinbauernfamilien