Brutal normal – SWISSAID kämpft gegen häusliche Gewalt in Indien

Brutal normal – SWISSAID kämpft gegen häusliche Gewalt in Indien

Bern/Lausanne, 6. Februar 2017. Ein Drittel aller Frauen kassiert Prügel, weil sie nicht «gut» kochen. Unvorstellbar? Nicht in Indien, wo häusliche Gewalt zum Alltag gehört. SWISSAID startet heute ihre Kampagne gegen diese brutale Normalität. Sie setzt auf die grundlegende Veränderung von Verhaltensmustern – mit Erfolg.

Es ist ein trauriges Faktum: In Indien wird jede dritte Frau Opfer von häuslicher Gewalt. Und regelmässig machen Fälle von Gewalt gegen Inderinnen oder Touristinnen weltweit Schlagzeilen, geraten dann aber wieder in Vergessenheit. Für viele der misshandelten indischen Frauen ist ihr Alltag indessen unerträglich geworden: Sie wollen lieber sterben als weiterleben wie bisher. Bei Frauen zwischen 15 und 49 Jahren ist Suizid zur häufigsten Todesursache geworden.

SWISSAID geht dagegen vor und lanciert heute eine Kampagne gegen häusliche Gewalt. Sie ist langfristig ausgerichtet und setzt auf die Veränderung von Mentalitäten und Verhaltensmustern. Manavlok, eine SWISSAID-Partnerorganisation, unterstützt Frauen im Bundesstaat Maharashtra in psychologischer, rechtlicher, medizinischer und finanzieller Hinsicht. Um das Übel bei der Wurzel zu packen, nehmen aber auch die Männer gemeinsam mit den Frauen an Gruppentreffen teil, wo sie lernen, ihr Verhalten zu ändern.

Manavlok ist mit diesem Konzept erfolgreich, viele Männer machen nach dem Besuch der Workshops einen Sinneswandel durch. «Es gibt in Indien zwar Gesetze zum Schutz der Frauen vor Gewalt durch ihre Männer oder deren Familie», sagt Caroline Morel, Geschäftsleiterin von SWISSAID. Diese würden aber schlecht umgesetzt. Deshalb seien viele Frauen auf sich allein gestellt und auf Unterstützung angewiesen.

Zum Beispiel die 22-jährige Sabera Shaik. «Ich bin Manavlok sehr dankbar», sagt die junge Frau, die zuvor regelmässig von ihrem Mann mit dem Gürtel geschlagen und eingesperrt wurde. «Ohne ihre Unterstützung wäre ich nicht mehr am Leben.» Heute lebt Sabera bei ihrer Grossmutter, geht wieder zur Schule und arbeitet daneben für Manavlok. Ihren Mann sieht sie nur noch vor Gericht. «Ich helfe anderen Frauen, die zuhause Gewalt erleiden. Darin habe ich meine Lebensaufgabe gefunden.»