Gegen Gewalt zwischen Flüchtlingen und Einheimischen

Flüchtlinge aus Zentralafrika leben im Süden des Tschad in Lagern – die Einheimischen fühlen sich zunehmend bedrängt.

Viele mussten ins Nachbarland Tschad fliehen, als in der Zentralafrikanischen Republik vor drei Jahren der Bürgerkrieg ausbrach. Unter den Flüchtlingen fanden sich auch Tschader, die teils seit Generationen im Konfliktgebiet gelebt hatten – und die im ursprünglichen Heimatland längst nicht mehr auf die Unterstützung der Familie zählen konnten. Diese Rückkehrer, wie sie von den einheimischen Tschaderinnen und Tschadern genannt werden, strandeten in Flüchtlingslagern im Süden des Landes, etwa in Maïngama. Sie leben noch heute dort unter erbärmlichen Bedingungen. Derweil geht der Krieg im Nachbarland weiter.

«Einige Rückkehrer haben alles verloren und Schreckliches erlebt. Sie wollen nicht zurück. Jetzt müssen wir Land für sie finden», sagt Adimadje Otoibe, Vertreter der Vereinigung zur Förderung der Grundfreiheiten im
Tschad (APLFT), eine Partnerorganisation von SWISSAID. Doch in der Region sind Acker- und Weideland, Holz sowie Wasser knapp.

Sehr viele Flüchtlinge im Tschad

Neben den Rückkehrern leben nach Angaben des UNHCR weitere 60 000 Flüchtlinge aus der Zentralafrikanischen Republik im Tschad. Dabei zählt das Land selber zu den ärmsten der Welt; gleichzeitig findet es sich unter den Top-Ten jener Staaten, die weltweit am meisten Flüchtlinge beherbergen.

Die Spannungen zwischen den Neuankömmlingen und der ansässigen Bevölkerung verschärften sich daher zusehends: «Die Einheimischen sehen in den Flüchtlingen Menschen, die ihr Land besetzen. Die Leute sind
unzufrieden, dass man den Rückkehrern hilft, aber ihnen nicht», so Adimadje Otoibe.

Dabei leben die Rückkehrer in Maïngama auf zehn Quadratkilometer und pflanzen auf «Pflanzblätzen» an, was sie können. «Aber die einheimischen Tierhalter verwüsten unsere Felder und sagen uns: Ihr seid nicht von hier, das ist nicht euer Land, bleibt in euren Zelten», klagt einer.

Respekt durch Sport und Kultur

Um diese Spannungen abzubauen, setzt die APLFT einen Koordinator und fünf Juristen ein, die in der ganzen Region Rechtsberatungen anbieten. Die Vereinigung begleitet Opfer von Gewalt vor Gericht und hilft Rückkehrern, tschadische Geburtsurkunden und Identitätskarten zu erhalten. Für Jugendliche organisiert APLFT sportliche und kulturelle Aktivitäten, um das gegenseitige Verständnis und den Respekt zu fördern. Mit grossem Erfolg.

Theateraufführungen zu Konflikten zwischen Ackerbauern und Viehzüchtern, über Kinderehen und häusliche Gewalt finden bis zu 500 Zuschauer. «Und es funktioniert», sagt Safia Mahamat, ein junger Rückkehrer, der von der APLFT als Vermittler zwischen den Gemeinschaften ausgebildet wurde. «Wir halten den Leuten einen Spiegel vor. Sie können so ihr Verhalten ändern.» Das schafft Hoffnung für die gesamte Bevölkerung.

Projektcode: TS 02/16/04

Projektdauer: 1.5 Jahre

Anzahl Begünstigte: 27'000 Männer, Frauen und Kinder 

Projektkosten: 124'581 Franken