Frauen nehmen ihr Schicksal selber in die Hand

Viele Frauen lernen lesen, schreiben und rechnen, erhalten Zugang zu Mikrokrediten und schliessen sich in Vereinigungen zusammen. 2015 haben sich Hunderte in Guinea-Bissau dank den neu erworbenen Kenntnissen eine Zukunft schaffen können.

Wenn Frauen auf dem Land von SWISSAID in ihren Aktivitäten unterstützt werden, wird auch ihr Selbstvertrauen gestärkt. Ihr Leben und das ihrer Familie sowie ihre Stellung in der Familie und in der Gemeinschaft verbessern sich. Die Resultate der Lese- und Schreibkurse in der Region Cacheu sind beeindruckend: Die Frauen haben keine Angst mehr vor Behördengängen, und viele können sich nun mit einer Identitätskarte ausweisen.

Bei den letzten Präsidentschaftswahlen konnte sie «wie alle anderen» wählen gehen, wie eine Frau anmerkt, und ihren Wahlzettel unterschreiben – zum grossen Erstaunen der Wahlkommission, die applaudierte. «Ich hatte mich immer geschämt, weil man mir den Fingerabdruck nehmen musste», sagt die 60-jährige Linda Cansok.

Freude am eigenen Einkommen

Auf dem Markt werden die Frauen nicht mehr ausgetrickst. Sie setzen die Preise fest, geben Wechselgeld, zählen ihren Erlös. «Ich kann den Preis für meine Cashewnüsse jetzt auch aushandeln, wenn mein Mann nicht da ist», freut sich etwa die 37-jährige Quinta Nhanga.

Dank Mikrokrediten können die Frauen eine Tätigkeit ausüben, mit der sich ein Einkommen erwirtschaften lässt. Wie zum Beispiel Fatima Domingos Mendes im Dorf Bachil: Mit dem Anbau von Bohnen verdiente sie dreimal so viel, wie sie ausgeliehen hatte. Mit ihrem Einkommen konnte sie das Schulgeld ihrer Kinder bezahlen. Ihr finanzieller Erfolg kam auch der Vereinigung zugute, denn die Frauen decken sich im Gemeinschaftsladen ein, den sie selbst führen.

Frauen gehen gegen Misswirtschaft vor

«Dank der Unterstützung von SWISSAID konnten wir diese Aktivitäten starten und wir haben Erfolg», sagt Fatima. Und fügt hinzu: «Man braucht Hilfe, um den Rücken zu kratzen, aber am Bauch schafft man das selbst.»

Indem sich die Frauen zusammenschliessen, stärken sie ihre Position. Die Leitung einer Organisation bringt ausserdem gesellschaftliches Ansehen. 2015 zeichnete sich die Präsidentin der Vereinigung von Caio durch ihre gute Organisationsführung und ihren Mut aus – sie ging rechtlich gegen ihren Vorgänger vor, der der Veruntreuung von Geldern verdächtigt wurde.

Früher hätte sie es nie gewagt, ihre Gemeinschaft vor Gericht zu vertreten und in der Öffentlichkeit das Wort zu ergreifen. «Mit den Lese- und Rechenkursen hat sich alles verändert, sogar unsere Art zu denken!», sagt sie.

Projektcode: GB 02/15/09 

Projektkosten: 78'208 Franken

Dauer des Projekts: 2 Jahre

Begünstigte: 560 Familien