Wie die Krise zur Chance wurde

Im Süden Tansanias haben Bauern und Bäuerinnen ein neues Geschäftsmodell entwickelt: Fischzuchten bringen ein gutes Zusatzeinkommen und Abwechslung auf dem Speiseplan.

Die Gewässer vor der Südküste Tansanias sind sehr fischreich. Wären fischreich. Denn wegen Übernutzung der Fischgründe durch ausländische Trawler auf hoher See gehen den Fischern in Küstennähe immer weniger Tiere ins Netz. Zudem hat die Regierung das Fischen mit kleinmaschigen Netzen verboten. Damit ist gerade für die arme Bevölkerung an der Küste um die Stadt Mtwara eine wichtige Nahrungs- und Einkommensquelle versiegt.

Viele Jugendliche sehen keine Zukunftsperspektiven mehr und wandern in die städtischen Zentren ab, denn ihre Familien leiden unter Mangelernährung und  Hunger. Was tun? Eine von SWISSAID unterstützte Partnerorganisation erblickte in der Krise der Fischerei eine Chance, denn wegen dem knapperen Angebot hatten auch die Preise für Fisch angezogen. Dies verhalf einer neuen Geschäftsidee zum Durchbruch: der Fischzucht. 
 

Jungfische aus den Mangroven

UWASA organisierte Bauern und Bäuerinnen zu Fischzucht-Gruppen und vermittelte ihnen das Know-how zum Aufbau von Aquakulturen. Das Prinzip ist einfach: Der einheimische Milchfisch legt seinen Laich in Mangrovenwäldern an der Küste. Sobald die Fingerlinge eine bestimmte Grösse erreicht haben, steigen Jugendliche mit Netzen ins Brackwasser und fangen die Jungfische ein. Diese werden in den Fischzuchtbecken ausgesetzt, welche die Bauerngruppen zuvor ausgehoben haben. Die lokale Partnerorganisation lehrt die Fischzucht-Gruppen, wie sie die Becken in den Salzmarschen anlegen müssen, die Wasserqualität kontrollieren und mit Schleusen und Dämmen sichern können. Auch an das Marketing wurde gedacht. Die Milchfische werden zum Teil direkt «ab Becken» an Händler verkauft. Dank der guten Strassenverbindungen können sie aber auch in die Stadt auf den Markt gebracht werden, wo der Preis besser ist.

Neues Futter für die Fische

Die meisten Bauernfamilien der Region leben vom Anbau von Cassava, Hirse oder Gemüse. Die Fischzucht bringt inzwischen für über 200 Haushalte ein gutes Zusatzeinkommen und eine Bereicherung des Speiseplans. «Meine Familie isst besser, und ich kann erstmals das Schulgeld meiner Kinder bezahlen», sagt etwa Hadidja Kassiwa, eine der Fischzüchterinnen. Immer mehr Bauern und Bäuerinnen wollen sich deshalb den Fischzuchtgruppen anschliessen. Diese haben neue Ansätze entwickelt, um die Probleme der Startphase in den Griff zu bekommen. Die Becken werden vertieft und die Mangrovenwälder – die Kinderstube der Jungfische – besser geschützt und aufgeforstet. Wenig Erfahrung hatten die Fischzüchter bisher mit Art und Dosierung des Futters. Nun hat man eine Lösung gefunden: Mit Pelletmaschinen wird Fischfutter aus Nahrungsabfällen hergestellt. Und mit dem Dung von Ziegen und Rindern sollen die Fischteiche «gedüngt» und das Wachstum von Algen gefördert werden, die den Fischen als Nahrung dienen. Dank der neuen «Diät» wachsen die Fische schneller – und die Erträge steigen an. 

  • Projektcode:  TA 2/15/05
  • Projektkosten: 104'263.- Franken
  • Dauer: 1,5 Jahre
  • Begünstigte: 870 Frauen, Männer und Kinder