Migration und Entwicklung: Fakten statt Polemik

Migration und Entwicklung: Fakten statt Polemik

Medienmitteilung von Alliance Sud vom 10. Juli 2019
Die Behauptung, dass Entwicklungszusammenarbeit (EZA) die Migration anheizt, ist falsch. Hingegen kann richtige EZA einen wichtigen Beitrag zu einer gerechten globalen Entwicklung leisten, die sich wiederum auf die Migration auswirkt. Das neue Positions­papier von Alliance Sud fasst die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Thema Migration und Entwicklungsarbeit zusammen.

Kaum ein Thema löst bei der Bevölkerung so viele Ängste aus wie die Zuwanderung, nicht zu­letzt aus Ländern des globalen Südens. Entsprechend kontrovers wird die Diskussion über die Ursachen der Migration geführt und welche Rolle dabei die EZA der Schweiz spielt bzw. spielen soll. In ihrem Positionspapier Migration und Entwicklungszusammenarbeit trennt Alliance Sud, die Denkfabrik der Schweizer Entwicklungsorganisationen, die Polemik von den Fakten. Sie hat dafür die verfügbaren internationalen Studien und Statistiken ausgewertet und auf 25 Seiten in eine gut lesbare Form gebracht.

Alliance Sud-Geschäftsleiter und Autor Mark Herkenrath: «Entwicklungszusammenarbeit kann und soll einen Beitrag zur Linderung der Ursachen von Migration leisten – und tut dies bereits. Den stärksten migrationshemmenden Effekt haben dabei Programme und Projekte in den ange­stammten Bereichen Gesundheit, Bildung, ländliche Entwicklung und gute Regierungsführung.» Um nachhaltige Wirkung zu entfalten, müsse EZA indes langfristig angelegt sein, für einen migrationspolitischen «quick fix» zur Beruhigung der Öffentlichkeit sei sie ungeeignet.

Das hat auch der Bundesrat erkannt, der sich im Entwurf zu seiner Botschaft zur internationalen Zusammenarbeit (2021-2024) dagegen ausspricht, EZA direkt mit migrationspolitischen Anlie­gen zu verknüpfen. Allerdings unterschätzt der Bundesrat, dass Entwicklungspolitik nie isoliert betrachtet werden darf. Voraussetzung für eine zukunftstaugliche Migrationspolitik wäre ent­wicklungspolitische Kohärenz, die sich auch auf andere Politikfelder erstreckt. Im Vordergrund stehen dabei die internationale Steuerpolitik, aber auch die Klimafinanzierung und die soziale und ökologische Ausgestaltung von Handelsbeziehungen. Denn wenn Menschen in armen Län­dern echte Entwicklungsperspektiven erkennen, sinkt der Anreiz, das Glück in häufig lebens­gefährlicher Migration zu suchen.

Für weitere Informationen und Rückfragen:
Mark Herkenrath, Geschäftsleiter Alliance Sud, Tel. 079 699 58 66