«Ohne die Landwirtschaft können wir nicht leben»

SP-Nationalrat Fabian Molina (28) ist neben Bastienne Joerchel (54) neuer Co-Präsident von SWISSAID. Im Interview spricht er über seine Beziehung zu SWISSAID und was ihn auf seiner Reise durch Kolumbien am meisten beeindruckte.

Fabian Molina, was bedeutet SWISSAID für Sie?

SWISSAID ist eine beeindruckende Organisation. Der alte Slogan – ihr mutiges Hilfswerk –, trifft für mich den Nagel noch immer auf den Kopf. SWISSAID schafft es seit Jahrzehnten, in schwierigen Kontexten nachhaltige Entwicklungen anzustossen und gleichzeitig in der Schweiz die Stimme der Ärmsten zu sein. Diesen Weg konsequent zu gehen, ist eine enorme Leistung.

Die Geschichte von SWISSAID ist stark von landwirtschaftlichen Projekten geprägt. Was verbindet Sie mit der Landwirtschaft?

Ich bin in einem Bauerndorf aufgewachsen. Die Bedeutung der Landwirtschaft wurde mir deshalb früh bewusst. Später habe ich bei vielen Reisen und über meine Arbeit bei SWISSAID auch die internationale Dimension des bäuerlichen Lebens kennen gelernt. Bäuerinnen und Bauern produzieren unsere Nahrung. Ohne sie können wir nicht leben. Das wird auch in Zukunft so bleiben. Angesichts von Hunger und Armut in der Welt ist es deshalb von zentraler Bedeutung, eine gute landwirtschaftliche Entwicklung zu fördern.

Waren Sie schon mal in den Regionen der Welt, wo wir aktiv sind? Was waren prägende Begegnungen und Erlebnisse?

Vor drei Jahren habe ich Kolumbien bereist. Der gewalttätige Konflikt und die Drogenproblematik waren immer noch sehr präsent. Seither habe ich mich mit vielen Kolumbianerinnen und Kolumbianern ausgetauscht und wir haben für SWISSAID Zürich auch eine Veranstaltung zu Lösungsansätzen im Bereich des Kokainhandels organisiert. Der Mut der Menschen, die sich vor Ort für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen, beeindrucken mich sehr.

Was kann SWISSAID in der Schweiz noch besser machen?

Angesichts der gesellschaftlichen Veränderungen müssen wir es noch besser schaffen, unsere Arbeit zu erklären und dafür zu mobilisieren. Die Dritt-Welt-Bewegung vermochte in der Vergangenheit wichtige Veränderungen in der Schweiz anzustossen. Da müssen wir wieder hin.

Mit welchen Argumenten würden Sie eine junge Person davon überzeugen, sich mit Entwicklungsfragen zu beschäftigen und sich gegen Armut und Hunger zu engagieren?

Armut und Hunger und auch die Klimakrise haben viel mit globaler Ungleichheit und mit unserem Wirtschaftssystem zu tun. Das Handeln in der Schweiz hat Auswirkungen auf die Menschen auf der anderen Seite des Erdballs. Das treibt die junge Generation um, wie sich aktuell bei den Klimastreiks zeigt. Wir müssen aufzeigen, dass Entwicklungsfragen sehr eng mit Fragen der Gleichstellung der Geschlechter, sozialer Ungleichheit und Klima-Gerechtigkeit verbunden sind. 

Zum Interview mit Bastienne Joerchel