Glencore: Schwammige Antworten auf konkrete Fragen

Glencore: Schwammige Antworten auf konkrete Fragen

Simon Murray und Ivan Glasenberg können stolz sein. Der Verwaltungsratspräsident  und der CEO von Glencore wurden von der ersten Generalversammlung des Schweizer Rohstoff-Giganten mit 99.43 bzw. 99.69 % der Stimmen in ihren Ämtern bestätigt. Dass sind Resultate, die selbst Murrays und Glasenbergs Geschäftspartner Teodoro Obiang nicht hinbiegen kann, der Diktator von Äquatorial-Guinea, der sich jeweils von über 90 Prozent seines Volkes zum Präsidenten „wählen“ lässt.

Leise Störung der trauten Eintracht

Doch die Debatte drehte sich an der GV in Zug am 9. Mai 2012 nicht um die lukrativen Geschäfte Glencores mit einem der korruptesten Regimes der Welt, das sein Volk trotz hoher Öleinnahmen in bitterer Armut darben lässt. Sie drehte sich um den guten Geschäftsabschluss des Unternehmens (186 Milliarden $ Umsatz, 4 Mrd. Dollar Gewinn) und die hervorragenden Aussichten auf noch mehr Profite im kommenden Jahr. Die bloss 40 anwesenden Aktionäre winkten alle Traktanden durch, in 40 Minuten hatte der „Board“ die Pflichtübung hinter sich gebracht.

Ein paar wenige Störenfriede gab es indessen. Murray musste zwei Fragen der britischen Nichtregierungsorganisation „Global Witness“ zu umstrittenen Geschäften mit dem israelischen Geschäftsmann Dan Gertler beantworten, einem engen Freund des kongolesischen Präsidenten Kabila. Murray bestritt sämtliche Vorwürfe, Glencore profitiere von korrupter Vergabe von Bergbaulizenzen. Wer aber hinter den umstrittenen Geschäftspartnern stehe, wollte er nicht sagen, diese Frage müsse man Gertler stellen.

Schwammig

SWISSAID forderte Murray mit der Frage heraus, ob Glencore bereit sei, die Korruptionsvorwürfe mit der Publikation aller Zahlungen an Regierungen zu kontern – Land für Land. Murray verneinte und verwies auf Glencores Unterstützung für die EITI-Initiative und die Mitarbeit in dieser Initiative in Sambia und im Kongo. Zudem beobachte man die geplanten gesetzlichen Regeln in den USA und der EU sehr genau. Es bleibt zu hoffen, dass diese schnell verabschiedet werden und dass auch die Schweiz mit harten Vorschriften für den Rohstoffsektor nachzieht. Denn sowohl in der Schweizer Gesetzgebung wie bei Glencore gibt es, wie man in Glencores Amtssprache so schön salopp sagt, „room for improvement“ (Verbesserungspotenzial).