Endlich Wasser in Guangaje

Das richtige Material in der Hand, das nötige Wissen im Kopf: Mit etwas Unterstützung helfen sich Kleinbauernfamilien in Ecuadors Anden selbst aus der Misere. In Wasserkomitees organisiert, schützen sie die wertvollen Wasserreserven langfristig – und wappnen sich damit auch gegen den Klimawandel.

Nebelschwaden in hügeliger Landschaft, ein Lama guckt sparsam aus der Wäsche, Hühner eilen geschäftig herum, Schafe grasen gewohnt gemächlich. Eine Frau wäscht auf dem Waschstein vor ihrer Hütte. Idyllisch – nicht?

Aber der Alltag der Menschen, die in der Gemeinde Guangaje mitten in der Provinz Cotopaxi leben, ist alles andere als das. Hier leben rund 90 Prozent der Einwohner unter der Armutsgrenze, die meisten sind mangel- oder unterernährt. Auf dem kleinen Stück Land, das ihrer Selbstversorgung dient, wächst schlicht nicht genug. Zugang zu Wasser? Davon können die meisten Kleinbäuerinnen und Kleinbauern bis heute nur träumen.

Zunehmend spielt das Wetter verrückt. In der Regenzeit bleibt es trocken, in der Trockenzeit dagegen regnet es immer häufiger. Und ungewöhnlich heftig. Überschwemmungen, Bodenerosionen, gestörte Produktionszyklen auf dem Feld – hier, auf 3000 Metern über Meer, zeigen sich die Folgen des Klimawandels längst von der hässlichen Seite.

Wasser: Quellen schützen und Leitungen bauen

Die Ressource Wasser wird damit noch kostbarer. Mit dem Páramo und seiner dichten Grasdecke verfügt die Gegend über eine Vegetation, die sehr viel Wasser aufnehmen kann – ein wichtiges natürliches Wasserreservoir, das durch das nicht standortgerechte Pflanzen von Bäumen bereits gefährdet ist. Ein besseres Wassermanagement ist deshalb eine der wichtigsten Voraussetzungen, um indigene Kleinbäuerinnen und Kleinbauern zu unterstützen.

Um ihnen dauerhaft Zugang zu Wasser zu verschaffen, müssen Wassereinzugs- und Quellgebiete besser geschützt und nachhaltiger bewirtschaftet werden. Das gelingt nur, wenn lokale Basisgruppen fachlich und finanziell unterstützt und organisatorisch gestärkt werden.

In Wasserkomitees organisiert, sanieren und bauen sie sieben Trinkwasserversorgungsanlagen für 1’750 Personen. 76 Kleinbewässerungssysteme stellen sicher, dass das, was die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern anbauen, künftig bis zur Ernte gedeiht.

Alle helfen mit – auch mit Geld

In drei Ortschaften in Guangaje hat der Ansatz von SWISSAID bereits gefruchtet: «Wir erhielten Baumaterial, einen finanziellen Beitrag haben wir selbst geleistet. Dann haben wir gemeinschaftlich ein grosses Wasserreservoir und Wasserleitungen gebaut», so Daniel Otto Lutuala, Präsident des Wasserkomitees in Candela Fasso. Sein Amtskollege in Tigua Rumichaca ist vom Ergebnis begeistert: «Früher hatten wir hier nicht mal Wasser zum Kochen – heute gibt es Wasserleitungen bis zu den Häusern und die Familien haben rund um die Uhr Zugang zu sauberem Trinkwasser», so Juan Manuel Chusín.

In Generalversammlungen haben die Gruppen monatliche Wassertarif festgelegt: Jede Familie zahlt pro Monat umgerechnet einen Franken. Mit dem Geld wird hauptsächlich der Wasserwart bezahlt. Was übrigbleibt, kommt in einen Fonds. Blanca Chusín, eine Bewohnerin von Tigua Rumichaca, betont: «Alle haben wir mitgeholfen, die Leitungen zu bauen und halten sie instand: die Frauengruppe, die ganze Gemeinde, sogar Weggezogenen kamen aus den Städten hoch, um anzupacken. Gemeinsam und zusammen mit SWISSAID haben wir es geschafft.»