Eine Hirsesorte erobert die Welt

Zu wenig von allem: Wasser, Nahrung, Saatgut, fruchtbare Äcker, ja sogar Bäume fehlen. Das prägt die Gegend von Abala im Sahelland Niger. Hoffnung bringt lokales Hirse-Saatgut, das zwar den Menschen schmeckt, nicht jedoch den Vögeln.

In Abala gehört Hunger zum Alltag wie anderswo der Schnee zum Winter. Die Ursachen dafür sind vielfältig: Einerseits geben die ausgelaugten Böden nicht genug her, solange die Erde nicht mit Kompost und modernen Biolandbau-Methoden aufgepäppelt wird. Anderseits reicht das Wasser nicht, um die Äcker während der Trockenzeit zu bewässern.

Was ist «Dan Tiguezefan»?

Hoffnung bringt das lokale Saatgut – jedenfalls seitdem einige Bauern unter Anleitung von SWISSAID beschlossen, aus den lokalen Hirsesorten jene weiter zu züchten, die widerstandsfähig, anspruchslos schmackhaft und schnellwüchsig sind. «Dan Tiguezefan» nennt sich die «Wundersorte», von der es heisst, sie sei eine der besten im Niger überhaupt. «Die ganze Welt sollte unsere Hirse kennen und nutzen können!», sagt Yahaya Assoumane, der Präsident der örtlichen Bauernvereinigung.

Derzeit ist die Bauernvereinigung damit beschäftigt, die ertragreiche Hirsesorte bekannt zu machen und zu vermehren. In sicheren Speichern, die die Bauern mit Hilfe von SWISSAID bauten, lagern sie die Saat ein und geben sie anderen Bauernfamilien ab. Dabei wird der Speicher wie eine Bank genutzt, in die in Form von Saatgut ein- und ausbezahlt wird.

Aufforstung

«Die letzte Ernte übertraf alle Erwartungen», sagt Yahaya Assoumane sehr zufrieden – ein wichtiger Schritt Richtung voller Magen. Die Hirse-Kolben waren gross und voll. Dafür waren nicht bloss die beschriebenen Qualitäten des Getreides oder die Hege und Pflege durch die Bauern ausschlaggebend. «Die Vögel blieben unseren Feldern fern.»

Mancherorts hatten die Vögel in den vergangenen Jahren den Bauern kurz vor der Ernte die Felder komplett leergefressen. Ohnmächtig mussten sie zusehen, wie die Tiere sich über die reife Hirse hermachten. In ihrer Verzweiflung griffen viele Bauern zur Axt und fällten die letzten Bäume, auf denen die Vögel nisteten.

SWISSAID bildete zwar die Bauern aus und führte Aufforst- und Setzlingsaktionen durch. Doch sobald sich die Vögel zeigten, vertraute so mancher trotz allem lieber auf seine Axt. «Dieses Problem haben wir bis jetzt nicht lösen können», sagt der Präsident der Bauernvereinigung.

Die Vermutung liegt nahe, dass den Vögeln andere Hirsesorten einfach besser schmecken. Aber gesichert ist diese Erkenntnis nicht. Sicher ist: Eine neue, feine, ertragreiche, lokale Hirsesorte, die in den Händen der Bäuerinnen und Bauern liegt, bildet einen wichtigen ersten Schritt aus Armut und Hunger. 

  • Projektcode: NI 2/15/10
  • Projektkosten:  149'503.- Franken
  • Laufzeit: 2 Jahre
  • Begünstigte: 14'136 Frauen, Männer und Kinder aus 44 Dörfern