Erfolgreich gegen Hunger und Armut in Guinea-Bissau: „Ein bisschen leben wie die Weissen“

Der grösste Teil der Bevölkerung in Guinea-Bissau arbeitet in der Landwirtschaft. Doch satt werden die Menschen davon nicht. SWISSAID hilft den Kleinbauern im westafrikanischen Staat seit 1980, mehr aus ihrem Boden herauszuholen. In Bachil beispielsweise dürfte der Hunger bald der Vergangenheit angehören.

Guinea-Bissau liegt im Human Development Index der UNO auf dem 177. Platz von 187 und gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Mehr als die Hälfte der Einwohnerinnen und Einwohner lebt unter der Armutsgrenze und fast genauso viele können weder lesen noch schreiben.

Das kleine Land – seine Fläche ist rund 10 Prozent geringer als diejenige der Schweiz – leidet unter Abholzung, Überfischung, Überweidung und Bodenerosion. Die Auswirkungen sind katastrophal, denn rund 80 Prozent der Menschen leben von der Landwirtschaft. Was sie produzieren, reicht nicht: Ein grosser Teil der Lebensmittel muss Guinea-Bissau aus dem Ausland importieren und rund ein Drittel der Menschen leidet unter ständigem Hunger.

Hunger muss nicht sein

Auch in der dicht besiedelten Region Bachil im Nordosten Guinea-Bissaus sind die Lebensbedingungen hart. Vier bis fünf Monate pro Jahr haben die Menschen nicht genug zu essen. Sie können keine Vorräte anlegen und um Grundnahrungsmittel einzukaufen, haben sie zu wenig Geld. 
Allen Schwierigkeiten zum Trotz – Hunger muss in Bachil eigentlich nicht sein: Die Beschaffenheit des Bodens reicht aus, dass die Bäuerinnen und Bauern mit dem richtigen Wissen genug aus der Erde herausholen könnten. In Landwirtschaftskursen lernen sie deshalb, die Palette an Gemüsen und Früchten auf ihren Höfen zu vergrössern, die Felder natürlich zu düngen und mit einfachen ökologischen Mitteln mehr zu ernten. 

Ein Mikrokredit macht den Unterschied

Zu den Schülerinnen im Landwirtschaftskurs zählen auch die 253 Mitglieder des Frauenverbands. Werkzeuge wie Harken, Giesskannen, Schubkarren erhalten sie kostenlos. 

Die wirklich grosse Wende kommt für viele mit dem ersten Mikrokredit. Mit rund 50 Franken gelang es zum Beispiel Fatima Domingo Mendes, der Präsidentin des Frauenverbandes, eigenes Saatgut zu kaufen und Arbeiter zu zahlen, die ihr auf dem Feld helfen konnten. „Früher pflanzte ich Tomaten und etwas Maniok an. Ich hatte wenig Geld und stand ständig bei meinen Verwandten in der Schuld, weil ich das Schulgeld für die Kinder nicht bezahlen konnte.“ Seit sie auf Bohnen umgestellt hat, hat sich ihr Leben gewandelt. „Ich konnte vier Säcke Bohnen, also etwa 200 Kilogramm, ernten und alles verkaufen. Endlich genug Geld für Essen und Schulgeld und um den Kindern neue Schuluniformen zu kaufen.“ Auch den Mikrokredit samt Zinsen konnten sie problemlos zurückzahlen. 

Weniger Hunger, weniger Armut, mehr Zeit

Mit der Feldarbeit, dem Kochen und dem Verkauf der Ernte sind die Tage der Frauen randvoll. Der neue Brunnen für die Bewässerung der Felder ist deshalb mehr als willkommen. Auch der Quartierladen, den die Gemeindefrauen neu betreiben, ist eine Erleichterung. Die Bewohner erhalten dort Produkte des täglichen Bedarfs zu fairen Preisen. 

Die Reisbäuerinnen können noch immer kaum fassen, wie einfach sie mit der neuen Reisschälmaschine die 20 Tonnen Reis, die sie auf dem Gemeindeland anbauen, verarbeiten können. „Jetzt leben wir ein bisschen wie die Weissen. Wir sind am Abend weniger müde, haben mehr zu essen, mehr Geld und können auf unseren Feldern eine grössere Vielfalt an Gemüse anbauen“, freut sich eine von ihnen. 

Die Maschine bedeutet eine massive Erleichterung der Arbeit und letztlich ein Zeitgewinn. Zeit, die sie brauchen können, um die Lese- und Schreibkurse zu besuchen, die die SWISSAID-Partnerorganisation anbietet. Bildung baut Zukunft – das gilt in Bachil ganz besonders.  

Projektcode: GB 02/14/08
Projektkosten: 51706 Franken 
Projektdauer: 20 Monate
Anzahl Begünstigte: 253 Frauen und ihre Familien