Dürre in Indien: Kein Wasser, kein Einkommen, kein Ausweg

Nach vier Jahren mit wenig Regen sind die Grundwasserspeicher in der indischen Region Marathwada leer. Die Dürre, die die Menschen dieses Jahr erlitten, war die schlimmste seit Jahrzehnten. Viele Bauern verloren Ernte, Einkommen – und Lebensmut. SWISSAID hat mit einem beispiellosen Nothilfeprojekt reagiert.

Temperaturen über 45 Grad, versiegende Brunnen, Mädchen, die beim Wasserholen in der Hitze sterben. Daneben Bauern, die das vierte Mal in Folge zusehen müssen, wie ihre Saat verdorrt und das Vieh verdurstet. Die sich verschulden und keinen Ausweg mehr sehen, als sich umzubringen: Das war die letzten Jahre Realität in Marathwada.

Die Gegend im indischen Bundesstaat Maharashtra ist von der Dürre besonders betroffen. 1130 Bauern haben sich 2015 das Leben genommen, in den ersten vier Monaten des laufenden Jahres kamen noch einmal fast 400 dazu. Bäuerinnen und Bauern, Landlose und alleinstehende Frauen litten am meisten. Für sie wurde die Trockenheit lebensbedrohlich.

„Ich konnte meinen Kleinen keine Milch kaufen"

Sujata etwa bringt ihre Familie als Feldarbeiterin ohnehin fast nicht durch. „Wegen der Dürre fand ich kaum noch Arbeit“, sagt die 25-Jährige. Schnell reichte das Geld nicht mehr. „Ich konnte meinen Kleinen keine Milch kaufen. Wenn sie vor Hunger geweint haben, gab ich ihnen Zuckersirup oder versuchte, sie mit leeren Bäuchen schlafen zu legen.“

Heute geht es Sujata besser. Sie hebt Gräben und Rückhaltebecken aus und trägt so dazu bei, das Land besser vor Trockenperioden zu schützen. Ihren Lohn bezahlt SWISSAID. Neben diesem Arbeitsprogramm sind die Abgabe von Wasser und Essen sowie medizinische und psychologische Versorgung (Suizidprävention) Teil unserer Nothilfe.

Nothilfeprojekt vervierfacht

Im März haben unsere lokalen Partner die ersten 2000-Liter-Tanks mit Trinkwasser und Viehtränken aufgestellt, Essen ausgehändigt und die Arbeitsprogramme ausgearbeitet. Doch die Anstrengungen reichten nicht, um den vielen Menschen beizustehen. Dank dem entschlossenen Handeln unserer Spenderinnen und Spender und dem beherzten Einsatz des Teams konnten wir schon im Mai das Budget vervierfachen und am Ende 35‘800 Familien in 90 Dörfern unterstützen.

Mittlerweile hat der Monsun eingesetzt, die Landwirtschaft erholt sich langsam. Doch die Arbeit von SWISSAID läuft noch ein paar Monate weiter. Noch immer verteilen wir Essen und beschäftigen Erwerbslose. Mit zunehmender Klimaerwärmung werden Dürren häufiger. In unseren Projekten lernen die Menschen, ihre Quellen zu schützen, die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens zu erhöhen und sich mit robustem Saatgut, sparsamer Bewässerung und breit aufgestellten Einkommensmassnahmen für Trockenperioden zu wappnen.

 

Projektnummer: 2/16/01

Laufzeit: 6 Monate

Kosten: 244‘600 Franken

Anzahl  Begünstigte: 121'800 Männer, Frauen und Kinder in Maharashtra