Dorfentwicklung auf Kolumbianisch

Schritt für Schritt erkämpft sich die Bevölkerung von Pueblorrico eine Zukunft – selbstbestimmt und ökologisch.

Die ungeteerte Strasse schlängelt sich in engen Kurven hinauf nach Pueblorrico. Aber anders als der Name vermuten lässt, führt der Weg nicht in ein «reiches» Dorf. Über 85 Prozent der Bevölkerung leben in Armut. Zwar sind die Böden fruchtbar, Kaffee und Bananen gedeihen prächtig. Aber die Parzellen sind klein − maximal eine halbe Hektar gross − und vollständig mit Kaffeesträuchern bepflanzt. Die Erlöse aus dem Verkauf des Kaffees reichen nicht aus, um die Familien zu ernähren. Deshalb arbeiten die Männer und Frauen als Tagelöhner auf den grossen Kaffeeplantagen in der Region. Arbeit gibt es jedoch nur während der Erntezeit, in den anderen Monaten ist das Essen knapp. Und das wollen die Frauen und Männer aus dem Dorf ändern.

Zusammenarbeit schafft Freundschaft

Deshalb riefen die engagierten Kleinbauern vor knapp drei Jahren die Gruppe «Comunidad en Acción» ins Leben. Erste Erfolge können sich sehen lassen: Zuerst erarbeiteten die 110 Familien gemeinsam und mit Unterstützung von SWISSAID einen Entwicklungsplan für ihr Dorf. Sie identifizierten die Probleme, mit denen sie zu kämpfen haben und entwickelten Lösungswege. Durch diese gemeinsame Arbeit verstärkten sich der Zusammenhalt und die Solidarität in der Gemeinde deutlich. Rückblickend sagt Adriana Rincón, die Präsidentin der Organisation: «Früher waren wir sehr apathisch und haben uns nicht einmal gegrüsst. Heute schmieden wir Pläne, sind aktiv und haben Freundschaft geschlossen.»

Zuerst stellten die Bauern auf ihren Äckern auf Mischkulturen um. Kleine Gemüsegärten wurden angelegt, Fruchtbäume und Grundnahrungsmittel wie Mais angepflanzt. Damit können die «Cafetaleros», wie die Kaffeebauern genannt werden, nun einen erheblichen Teil ihrer Nahrung selber produzieren und die unheilvolle Abhängigkeit von der Kaffeemonokultur verringern. Die Fruchtbarkeit der Böden wird heute mit organischem Dünger sichergestellt und der Schädlingsbefall mit biologischen Mitteln bekämpft.

Dreck im Trinkwasser

In den Gruppendiskussionen wurde ausserdem rasch klar, dass die 48 Trinkwasserquellen des Dorfes in einem problematischen Zustand sind. Alle waren mit Abfall, Abwässer und Agrochemikalien verschmutzt und ungeschützt. Nach zum Teil zähen Verhandlungen mit den Grundeigentümern konnten alle Quellen eingezäunt und aufgeforstet werden. Für die drei Hauptquellen erhielt die Organisation von der Umweltbehörde offizielle Konzessionen.

Dies stellt sicher, dass sie ausschliesslich als Trinkwasserquelle genutzt werden, was umso wichtiger ist, als dass das Gebiet im «Minengürtel» liegt. Die Regierung erteilt in dieser Region multinationalen Bergbauunternehmen Goldabbau-Konzessionen, was der Verschmutzung und industriellen Nutzung des Trinkwassers Vorschub leistet. Zudem laufen die Bauerngemeinschaften Gefahr, die Rechte am Wasser zu verlieren, sobald ein Minenkonzern aktiv wird.

Aber nicht nur in diesen Bereichen ist die Gruppe «Comunidad en Acción» aktiv. Auch das Thema Gewalt in der Familie wurde über Informationsveranstaltungen angegangen. Und das Beispiel von «Comunidad in Acción» macht Schule: Weitere 110 Familien haben sich der Organisation bereits angeschlossen.

 

 

  • Projektnummer: KO 2/14/04
  • Projektdauer: 24 Monate
  • Kosten: Fr. 58'085.-
  • Anzahl direkt Begünstigter: 220 Familien