Nicaragua: Die Zukunft beginnt zu Hause

Gemeinsam gehts besser: In einer Kooperative können die Frauen im Norden Nicaraguas für ihre kleinen Läden en gros einkaufen. Letztes Jahr haben sie sogar eine Metzgerei eröffnet und damit Arbeitsplätze geschaffen.

An einen Wegzug in die Hauptstadt Managua oder das benachbarte Costa Rica denkt Marlene Rios schon lange nicht mehr, trotz der Dürre, die in den letzten Jahren in der Region bis zu 80 Prozent der Bohnen- und Maisernte vernichtete. Die zweifache Mutter hatte Glück und sie arbeitete hart, doch dies allein hätte für das gute Ergebnis auf ihren Feldern nicht ausgereicht. Entscheidend war das Gewusst-wie: Dank agroökologischen Anbautechniken, die den Boden schonen und Schädlinge fernhalten, konnte sie ihren trockenen Äckern dennoch eine existenzsichernde Ernte abtrotzen.

Marlene Rios lebt in einem Weiler in der Nähe von Dario, einer Kleinstadt im Norden Nicaraguas, und hat die Frauenkooperative «La Dariana» vor sieben Jahren mitbegründet. Seither hat sich ihr Leben grundlegend verändert. Sie hat das windschiefe Holzhaus, in dem ihre Familie lebte, ausbessern können. Und vom Ackerbau versteht sie mittlerweile so viel, dass in ihrem grossen Garten die Grundnahrungsmittel fürs ganze Jahr wachsen. «Wir essen heute viel gesünder und abwechslungsreicher», sagt sie. «Denn früher lebten wir mehr schlecht denn recht bloss von dem, was mein Mann als Tagelöhner hier und dort verdiente.»

Die Zwischenhändler müssen bessere Preise machen

Die Kooperative umfasst 90 Mitglieder. Einige von ihnen führen kleine Geschäfte – eine Art Nachbarschafts-Kiosk –, in denen vom Shampoo bis zu Chips und Süssigkeiten alles verkauft wird, was das Herz begehrt. Mit dem En-gros-Einkauf kann die Genossenschaft für die Frauen bessere Preise aushandeln.

Viele profitieren auch von den Kleinkrediten, die sie als Mitglied aufnehmen können und mit denen sie das eine oder andere Geschäft machen, wie beispielsweise Marlene Rios: Sie hat die Ernte eingelagert und verkauft die Überschüsse erst, wenn der Preis stimmt. Doch Bargeld ist rar. Daher nimmt sie nach der Ernte einen Kredit auf, den sie mühelos zurückzahlt, sobald sie das Gemüse und das Getreide auf dem Markt teuer verkaufen kann. Die Rüchzahlquote für die Darlehen der Kooperative beträgt über 98 Prozent.

Blitzblanke Metzgerei

Letztes Jahr eröffnete «La Dariana» zudem eine Metzgerei, in der Marlene Rios einen Tag die Woche alles blitzblank hält und das Fleisch anpreist. Verkauft wird vor allem Schweinefleisch, das ein Störmetzger anliefert. Die Metzgerei ist jeden Tag geöffnet, sodass dank der Kooperative auch Arbeitsplätze entstehen. Abwandern in die Stadt, in ein anderes Land? Das ist definitiv vom Tisch, trotz Klimawandel und weit verbreiteter Armut. «Wir haben genug zu essen und ein Dach über dem Kopf. Meine Kinder gehen zur Schule. Was könnte ich mehr wollen?»

Projektcode: NC 02/14/16

Projektdauer: 2 Jahre

Projektkosten: 54'790 Franken

Anzahl Begünstigte: 90 Mitglieder der Kooperative sowie ihre Familien